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Suchtberatung auch in Kriftel
„Der Klient ist der Experte für sein Leben“: mobile beratung unterstützt, neue Wege zu finden
„Nah, wirksam, unverzichtbar“ – unter diesem Motto steht der diesjährige Aktionstag Suchtberatung am 12. November. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) macht damit bundesweit auf die wichtige Arbeit der Suchtberatungsstellen aufmerksam. Sie bieten Betroffenen und Angehörigen kostenfreie, vertrauliche Unterstützung und leisten einen wichtigen Beitrag für Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Auch in Kriftel hat die Suchtberatung eine lange Tradition: Die mobile beratung Kriftel wurde 1994 auf Wunsch der Gemeinde als Außenstelle des Zentrums für Jugendberatung und Suchthilfe (ZJS) eingerichtet. Sie bietet Menschen mit Suchtproblemen und Suchtgefährdung sowie deren Angehörigen fachkundige Beratung, Betreuung und Unterstützung. Darüber hinaus engagiert sie sich in der Prävention und begleitet die Kinder- und Jugendarbeit in der Gemeinde. Über die Arbeit der Beratungsstelle und die Möglichkeiten der Unterstützung haben wir mit Kathrin Bennett, Leiterin der mobilen beratung Kriftel, gesprochen.
Mit welchen Anliegen kommen Menschen zu Ihnen?
Die meisten haben bei sich selbst ein problematisches Konsumverhalten festgestellt oder vermuten, dass sich eine Sucht entwickelt. Manchmal sind bereits deutliche Folgen spürbar: gesundheitliche Probleme, Schulden, der Verlust des Arbeitsplatzes oder des Führerscheins. Andere kommen frühzeitig, weil sie etwas verändern möchten. Auch Angehörige suchen Unterstützung, wenn sie sich Sorgen um ihre Kinder oder ihren Partner machen.
Was ist Ihnen im Umgang mit den Menschen besonders wichtig?
Unsere Beratung ist kostenfrei, vertraulich und auf Wunsch anonym. Wir urteilen nicht. Viele Menschen können bei uns erstmals offen über ihre Situation sprechen. Sucht wird gesellschaftlich noch immer häufig als persönliche Schwäche betrachtet. Wir gehen dagegen davon aus, dass es Gründe für ein Suchtverhalten gibt. Diese gilt es zu verstehen, um gemeinsam neue Wege zu finden.
In der Beratung geht es deshalb nicht allein um den Konsum. Wir nehmen uns Zeit, die persönliche Lebensgeschichte kennenzulernen und herauszufinden, welche Situationen oder Gefühle den Konsum auslösen und welche Funktion das Suchtmittel erfüllt – etwa Entspannung, Ablenkung oder das Betäuben unangenehmer Gefühle. Darauf aufbauend suchen wir gemeinsam nach Alternativen.
Wie sieht die Unterstützung konkret aus?
Viele Menschen möchten abstinent leben. Wir helfen ihnen, geeignete Entgiftungs- oder Langzeittherapieangebote zu finden und unterstützen bei der Antragstellung. Ebenso wichtig ist es jedoch, die Lebensumstände in den Blick zu nehmen: Wie lassen sich Beziehungen verbessern? Wie können Schulden bewältigt werden? Und wie kann man lernen, mit Belastungen anders umzugehen, statt zum Suchtmittel zu greifen?
Dabei bestimmen die Klienten selbst, wohin ihr Weg führen soll. Wir suchen niemanden auf und können niemanden zu einer Beratung zwingen. Auch Abstinenz ist nicht grundsätzlich die Voraussetzung für unsere Unterstützung. Der Klient ist der Experte für sein Leben. Unsere Aufgabe ist es, Menschen dabei zu begleiten, herauszufinden, was sie selbst verändern möchten.
Was entgegnen Sie Menschen, die sagen, Süchtige seien selbst schuld und müssten einfach aufhören?
Mit Schuld hat das nichts zu tun. Sucht erfüllt für Betroffene häufig eine bestimmte Funktion und kann ein Versuch sein, mit belastenden Gefühlen oder Lebensumständen umzugehen. Auch unsere gesellschaftliche Haltung ist widersprüchlich: Alkohol und Nikotin sind legal und gelten oft als selbstverständlich, verursachen aber erhebliche gesundheitliche und gesellschaftliche Schäden. Wer damit ein Problem entwickelt, wird dennoch schnell verurteilt. Statt Menschen zu beschämen, sollten wir versuchen, ihre Situation zu verstehen.
Woran erkennen Sie, dass eine Beratung erfolgreich war?
Erfolg zeigt sich nicht nur in Abstinenz oder abgeschlossenen Therapien. Er zeigt sich oft in kleinen Veränderungen des Alltags: wenn jemand Probleme offen anspricht, statt seinen Ärger herunterzuspülen, eine Enttäuschung ohne Glücksspiel bewältigt oder gesellschaftliche Anlässe genießen kann, ohne sich vorher künstlichen Mut machen zu müssen. Gerade die Rückkehr aus einer Therapie in den Alltag ist häufig eine große Herausforderung. Dann müssen neue Strategien und Erfahrungen erst gefestigt werden. Solche Veränderungen können für die Betroffenen sehr viel bedeuten.
Was möchten Sie Menschen sagen, die noch zögern, Hilfe in Anspruch zu nehmen?
Die Suchtberatung ist ein geschützter Raum. Jeder entscheidet selbst, wie viel er erzählen möchte. Niemand muss befürchten, sofort zum Aufhören gedrängt zu werden. Der erste Schritt bedeutet auch nicht, bereits alle Antworten zu kennen. Es reicht, zunächst einmal darüber sprechen zu wollen.
Die mobile beratung Kriftel, Lindenstraße 57, 65830 Kriftel, ist unter 06192/910187 oder mobil unter 0163 7434136 erreichbar. Termine nach Vereinbarung.

