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Beim Klimaschutz sind alle gefragt
Rund 50 Interessierte informierten sich über Kriftels Weg zur Treibhausgasneutralität

Klimaschutz beginnt vor Ort – aber er kann nicht allein von einer Kommune geleistet werden. Das wurde bei der Abschlussveranstaltung zum Integrierten Klimaschutzkonzept und zur kommunalen Wärmeplanung der Gemeinde Kriftel am vergangenen Donnerstag in der Kleinen Schwarzbachhalle deutlich. Rund 50 Interessierte waren gekommen, darunter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung sowie Mitglieder der politischen Gremien. Im Mittelpunkt standen die Ergebnisse der beiden Konzepte, konkrete Handlungsmöglichkeiten und die Frage, was nun daraus folgt.
Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden der Gemeindevertretung, Alexander Feist, richtete Bürgermeister Christian Seitz das Wort an die Besucherinnen und Besucher. Er nutzte die Gelegenheit, um auf die schwierige finanzielle Situation der Kommunen hinzuweisen. „Ich komme gerade von einer Sitzung des Hessischen Städtetages. Die Kommunen stehen zunehmend unter finanziellem Druck“, so Seitz. Hohe Umlagen und weitere Zahlungsverpflichtungen belasten die kommunalen Haushalte.
Kommunen müssen sparen
„Wir müssen sparen“, machte der Bürgermeister mit Blick auf den im November einzubringenden Haushalt deutlich. „Das wird auch im Alltag spürbar sein.“ So könnten sich beispielsweise die Intervalle bei der Grünflächenpflege verändern oder notwendige Straßenunterhaltungen verschoben werden. Auch auf der Einnahmeseite müsse die Gemeinde nach Möglichkeiten suchen.
„Auch beim Klimaschutz gilt: Die Gemeinde kann wichtige Impulse setzen, aber nicht alle Aufgaben übernehmen. Klimaschutz ist eine Gemeinschaftsaufgabe“, betonte Seitz. Die Kommune könne Konzepte entwickeln, Maßnahmen auf den Weg bringen, Vorbild sein und die Bürgerinnen und Bürger unterstützen. Vieles müsse und könne aber auch jeder Einzelne beitragen – beispielsweise durch Baumpflanzungen im eigenen Garten, eine Photovoltaikanlage oder eine Wärmepumpe.
Vom Konzept zum konkreten Handeln
Wie der Weg zur Treibhausgasneutralität in Kriftel aussehen kann, erläuterten anschließend mehrere Fachleute. Jan Mücke von der energielenker projects GmbH stellte die Ergebnisse der Treibhausgasbilanz, der Potenzialanalyse und der entwickelten Szenarien vor.
Das Integrierte Klimaschutzkonzept umfasst insgesamt 28 Maßnahmen. Klimaschutzmanagerin Melanie Laier erläuterte den daraus entstandenen Maßnahmenkatalog. Das Konzept sei dabei kein detaillierter Maßnahmenplan für jede einzelne Umsetzung, sondern vielmehr ein langfristiger Fahrplan. Verwaltung und politische Gremien sollen sich daran orientieren können, um die Klimaschutzziele Schritt für Schritt zu erreichen.
Der Verkehrssektor verursacht einen erheblichen Anteil der in Kriftel bilanzierten Treibhausgasemissionen. „Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass auch ein Teil der A66 auf Krifteler Gemarkung liegt und die dort entstehenden Emissionen in die Bilanz einfließen“, so Mücke zuvor. Ein Ziel der Gemeinde sei es deshalb, klimafreundliche Mobilitätsformen weiter zu fördern und sich an der Erstellung eines kreisweiten Mobilitätsplans zu beteiligen, betonte Melanie Laier.
Auch die kommunale Wärmeplanung stand im Mittelpunkt des Abends. Georg Hiltl von der Syna GmbH stellte die Ergebnisse der Wärmeplanung und den weiteren Ausblick auf eine mögliche Machbarkeitsstudie für eine klimafreundliche Wärmeversorgung vor. Florian Bienias von der Syna beleuchtete anschließend unter dem Titel „Energiewende ganzheitlich denken“ weitere Aspekte der Energiewende.
Welche Fördermöglichkeiten für Heizungs- und Gebäudemodernisierung Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer in Anspruch nehmen können, erläuterte Markus Lämmer von der LandesEnergieAgentur Hessen (LEA).
Viele Fragen aus dem Publikum
Dass Klimaschutz die Menschen vor Ort beschäftigt, zeigte sich auch bei der anschließenden Fragerunde. Der Erste Beigeordnete Martin Mohr verwies zunächst auf die zahlreichen Informationsveranstaltungen, die die Gemeinde bereits seit November 2024 zu den Themen Klimaschutz und Energie angeboten hat. Gemeinsam mit Melanie Laier beantwortete er anschließend die Fragen der Besucherinnen und Besucher.
Dabei ging es unter anderem darum, ob in Kriftel künftig mehr Straßenbäume gepflanzt werden können. Auch der Umgang mit leerstehenden Wohnungen wurde thematisiert. Könnte beispielsweise ein Wohnungstausch dazu beitragen, vorhandenen Wohnraum besser zu nutzen und gleichzeitig Energie einzusparen? Weitere Fragen betrafen die geplante Entwicklung des Festplatzes und den öffentlichen Nahverkehr. Hier wurde angemerkt, dass das Angebot grundsätzlich vorhanden sei, aber nicht immer zuverlässig funktioniere. Zum Abschluss wurde auch die Frage gestellt, was geschieht, wenn die gesetzten Klimaziele nicht erreicht werden.

Rege genutzt wurde das Infoangebot an verschiedenen Informationsständen. Hier konnten sich Interessierte direkt mit Fachleuten austauschen und individuelle Fragen stellen. Mit dabei waren Experten der LEA Hessen, der Verbraucherzentrale Hessen, von SolarInvest, nahCar, von den energielenkern und der Syna GmbH.
Das Fazit der Veranstaltung lässt sich so ziehen: Das Klimaschutzkonzept ist kein fertiges Endprodukt, sondern soll den Auftakt für einen langfristigen Prozess bilden. Der Weg zur Treibhausgasneutralität bis 2045 wird nur gelingen, wenn Kommunen, Unternehmen und Privathaushalte gemeinsam daran arbeiten.
Die nächste Gelegenheit zur Information gibt es am 26. November um 19 Uhr im Krifteler Rathaus: Gemeinsam mit der Energiegenossenschaft SolarInvest Main-Taunus lädt die Gemeinde zum Infoabend „Bürger-Energiegenossenschaft und Energieberatung“ ein.
Alle Vorträge zum Klimaschutzkonzept sind HIER zu finden, die Vorträge zur Wärmeplanung auf dieser Seite.

