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Arbeiten am Umspannwerk
Gremien informierten sich über aktuelle Vorhaben beim Stromnetzausbau
An der Umspannanlage Kriftel laufen derzeit zahlreiche Projekte des Stromnetzausbaus. Über den aktuellen Stand informierte sich der Planungsausschuss der Gemeinde Kriftel zu Beginn seiner öffentlichen Sitzung am Montagabend im Rat- und Bürgerhaus. Tobias Muermann, Projektsprecher Hessen der Übertragungsnetzbetreiberin Amprion GmbH, stellte die verschiedenen Vorhaben vor Ort vor und gab den Anwesenden einen Überblick über den Sachstand. Im Anschluss an seinen Vortrag stand Tobias Muermann noch für Fragen zur Verfügung.
Muermann erläuterte zunächst die Rolle des Unternehmens: Amprion ist einer von vier Übertragungsnetzbetreibern in Deutschland und für den „Fernverkehr" im Stromnetz zuständig – den überregionalen Stromtransport auf höchster Spannungsebene. Das Amprion-Netz reicht von der Nordsee bis zu den Alpen; in diesem Gebiet leben rund 29 Millionen Menschen, dort wird etwa ein Drittel der deutschen Wirtschaftsleistung erzeugt. Der gesetzliche Auftrag verpflichte das Unternehmen, das Netz sicher zu betreiben und bedarfsgerecht auszubauen (§ 11 Energiewirtschaftsgesetz), so der Referent. Dafür investiere Amprion bis 2030 insgesamt rund 42 Milliarden Euro und baue sein rund 11.000 Kilometer langes Höchstspannungsnetz auf einer Länge von gut 9.300 Kilometern aus und um.
Rhein-Main-Gebiet eine der wirtschaftsstärksten Regionen Deutschlands
Mit rund 3,36 Millionen Menschen leben gut 52 Prozent der hessischen Bevölkerung in der Amprion-Regelzone. Das Unternehmen betreibt im Land derzeit 744 Stromkreiskilometer – davon 445 Kilometer auf der 380-Kilovolt-Ebene – und betreut aktuell 81 Netzprojekte, darunter 48 Anlagenbauprojekte, so wurde in der Präsentation dargestellt.
Den besonderen Ausbaubedarf in Südhessen machte der Projektsprecher anhand einer Zahl deutlich: Nach den Annahmen des bundesweiten Netzentwicklungsplans steige die Stromlast in Hessen von rund 34 Terawattstunden im Jahr 2023 auf etwa 96 Terawattstunden im Jahr 2045 – ein Plus von 180 Prozent. Das Rhein-Main-Gebiet sei als eine der wirtschaftsstärksten Regionen Deutschlands auf eine leistungsfähige Energieinfrastruktur angewiesen.
Als Treiber des steigenden Bedarfs nannte er neben dem Industrie- und Bevölkerungswachstum die Digitalisierung mit Rechenzentren im Rhein-Main-Gebiet, die Dekarbonisierung, den Umstieg auf E-Mobilität, den verstärkten Einsatz von Wärmepumpen und die Elektrifizierung von Industrie und Privathaushalten.
Trotz des Ausbaus der Windenergie in Hessen werde dauerhaft mehr Energie benötigt, als vor Ort produziert werden könne: Für Südhessen erwarten die Übertragungsnetzbetreiber im Jahr 2045 einen Importbedarf von rund 45 Terawattstunden. Die Transportkapazitäten der Stromnetze müssten deshalb verstärkt und ausgebaut sowie neue Umspannpunkte vom Übertragungsnetz (380 Kilovolt) ins Verteilnetz (110 Kilovolt) geschaffen werden, so Muermann.
Aktuell Arbeiten in Kriftel
Auf dem Gelände des Krifteler Umspannwerks wird derzeit gearbeitet – ohne eine flächenmäßige Ausdehnung der Anlage: Zusätzlich zu der bestehenden 380 kV-Leitung werde eine 110 kV-Leitung der Syna errichtet, führte Muermann aus. Außerdem werde gerade eine 5 Kilometer lange Erdkabelverbindung bis zum Industriepark in Höchst gelegt. Dabei müsse die A66 und bei Zeilsheim die S-Bahn-Strecke untertunnelt werden.
In Planung sei außerdem eine neue 380-Kilovolt-Leitung zwischen der bestehenden Umspannanlage Limburg und neu zu errichtenden Umspannanlagen in Bommersheim (Oberursel) und Eschborn. Das Krifteler Umspannwerk werde dabei mit einer zusätzlichen Beseilung einer bestehenden Leitung an die neue Verbindung angebunden. Einen konkreten Trassenverlauf gebe es derzeit aber noch nicht, machte der Projektleiter Hessen deutlich; Planungsraum, Verfahren und Zeitplan würden dann konkretisiert, sobald die gesetzlichen Rahmenbedingungen vorlägen.
Über die Region hinaus erhält die Umspannanlage Kriftel zusätzliche Bedeutung: Sie soll als Netzverknüpfungspunkt für das Vorhaben „Rhein-Main-Link" dienen.

