Viel los im neuen Männerschuppen | Gemeinde Kriftel – Obstgarten des Vordertaunus
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Viel los im neuen Männerschuppen

Gemeinsam statt einsam: Tag der offenen Tür im Männerschuppen Kriftel

von Alexander van de Loo  „Wann ist ein Mann ein Mann?“ Die Frage aus Herbert Grönemeyers bekanntem Lied “Männer“ passte am Samstag zum Tag der offenen Tür des Krifteler Männerschuppens. Denn hinter den Türen in der Goethestraße 5 ging es um Männer – allerdings nicht um Klischees von Stärke und Unverwundbarkeit. Vielmehr zeigte sich, dass gemeinsames Werkeln, Lachen und gegenseitige Unterstützung ganz neue Antworten auf diese Frage geben können.

Von 10 bis 16 Uhr stellte sich die Gruppe der Öffentlichkeit vor. Besucher konnten die Werkstatt besichtigen, Arbeiten der Mitglieder anschauen und sich über die bisherigen und geplanten Projekte informieren. Für eine kleine Bewirtung war gesorgt.

Auch Bürgermeister Seitz schaute neugierig vorbei. Er findet die Idee super. Typisch Kriftel eben. “Wo ein Raum entsteht, folgt Engagement“, weiß er. Tatsächlich hatte die Gemeinde den Ort im Herbst 2025 bereitgestellt. Dann wurde gesäubert, gewerkelt, gebaut und fertiggestellt. Die sechs Mitglieder haben „sich voll reingehängt“, wie sie sagen.

Sich sozial neu erfinden

„Außen hart und innen ganz weich“ – auch dieses Bild aus dem Lied ließ sich auf manche Facette des Männerschuppens übertragen. Denn die Idee war ursprünglich aus dem Wunsch entstanden, Männern einen Ort für Begegnung und Austausch zu geben. Angestoßen hatte das Projekt Gabriele Kortenbusch, die Seniorenberaterin der Gemeinde. Besonders Männer, die sich allein fühlten, sollten die Möglichkeit bekommen, Kontakte zu knüpfen. Wie Grönemeyer schon sang: „Männern weinen einsam“.

Zwei Mitglieder schauen aus dem ersten Stock in den Hof.
Thomas Wiegand und Heike Fritz blicken aus dem Babbelzimmer in den Hof. Alle Fotos: van de Loo

Die Idee hat ihre historischen Wurzeln in einem anderen Kontinent. Eine Männergruppe zum gemeinsamen Werkeln zu gründen, entstand aus der australischen „Men’s Sheds“-Bewegung (übersetzt Männerschuppen), die in den 1990er-Jahren entstand. Aber auch hierzulande tat man sich in klassischen handwerklichen Vereinen, Kirchengemeinden und Mehrgenerationenhäusern zusammen. Das Ziel: praktisches Tun mit sozialem Austausch zu verbinden. Auch der Männerschuppen in Kriftel will das klassische "Feierabend-Werkeln" in der Garage sozial neu beleben.

„Die ersten beiden Versuche mit geringer Resonanz haben gezeigt, dass wohl kein Mann zu einem Treffen ‚der Einsamen‘ kommen wollte“, so Gabriele Kortenbusch. Der entscheidende Schritt gelang erst, als sie der Idee einen anderen Schwerpunkt gab: Gemeinsam sollte gewerkelt, repariert und gestaltet werden. Zu einem erneuten Treffen kamen dann plötzlich gleich mehrere interessierte Männer. Aus der Idee wurde eine feste Gruppe. „Ich bin sehr stolz auf die Entwicklung und hoffe, dass sich noch viel mehr Männer angesprochen fühlen“, sagt sie bei ihrem Besuch der gut besuchten Tagesveranstaltung.

Eine nachhaltige Werkstatt

Eine geeignete Unterkunft war schnell gefunden. In einer ehemaligen Waschküche in der Goethestraße 5 richteten sich die Mitglieder ihre Werkstatt ein. Dabei bewiesen sie, dass nicht immer alles neu gekauft werden muss. Material aus dem Umbau der ehemaligen Schwarzbachhalle bekam hier eine zweite Chance. Als Heiner Tecklenburg dort eines Morgens ausrangierte Holzpaletten entdeckte, landeten sie kurzerhand im Männerschuppen. Auch andere Gegenstände aus dem ehemaligen Restaurant fanden Verwendung. Alte Garderobenhaken wurden zu Ablagemöglichkeiten. Kleinigkeiten, die sonst auf dem Sperrmüll gelandet wären.

Dabei sind die Voraussetzungen der Mitglieder ganz unterschiedlich. Nicht jeder ist handwerklich versiert. Genau das macht die Zusammenarbeit interessant. Man hilft sich gegenseitig und lernt voneinander.

Da ist zum Beispiel Ulrich Hau, der früher als Grafik-Designer und Erzieher gearbeitet hat. Während er sich beim Handwerk manches von den anderen abschaut, kümmerte er sich unter anderem um die Gestaltung der T-Shirts. „Unser Logo hat er gestaltet“, erwähnt Thomas nicht ohne Stolz.

Ein weiterer Raum über der Kleiderkammer in der Goethestraße 5 wurde neu erschlossen und wird mittlerweile gerne genutzt. Zunächst war dort allerdings einiges zu tun: Staub lag auf dem Boden, außerdem mussten Fragen des Brandschutzes geklärt werden. Die Gemeinde unterstützte die Gruppe und sorgte dafür, dass die notwendigen Voraussetzungen geschaffen wurden. So wurde oben im ersten Stock im „Babbelzimmer“ eine Brandschutz- und Fluchttür eingebaut.

Babbeln und basteln

In Deutschland sind seit 2015 rund 15 Männerschuppen beziehungsweise Männernetzwerke entstanden. In Kriftel gibt es jetzt nach Angaben der Gruppe den ersten Männerschuppen in Hessen.

Das gemeinsame Handwerk war der Türöffner. Wer zusammen an einem Projekt arbeitet, kommt automatisch ins Gespräch. „Im Augenblick sind wir ja eher eine Babbelrunde“, lacht Thomas Wiegand. Aber auch das Basteln kommt nicht zu kurz. Mit der Zeit ging es bei den Treffen auch um persönlichere Dinge. Aus dem gemeinsamen Arbeiten entstanden Freundschaften. Damit erfüllt sich ein Teil der ursprünglichen Idee: Menschen zusammenzubringen, ohne dass Einsamkeit zum Thema gemacht werden muss.

Besucher im Hof.
Männergespräche am Tag der offenen Tür.

Was gibt es für Zukunftspläne? Ausflüge zu Konzerten und anderen kulturellen Aktivitäten stehen auf der Wunschliste, sagt Heike Fritz, einzige Frau in der Runde. „Der Männerschuppen ist nämlich offen für alle“, sagt sie augenzwinkernd. Neulich habe man gemeinsam gegrillt. Im nächsten Jahr will der Männerschuppen bei den „Spielen im Park“ mitmachen. Da nicken alle sechs Mitglieder.

Zurzeit arbeite man für die Gemeinde. Über Heiner Tecklenburg war der Kontakt zum Krifteler Vogelschutzbeauftragten Peter Krüger entstanden. Gemeinsam sollen künftig unter anderem neue Nistkästen gebaut werden. „Jeder Vogel ist anders“, schmunzelt Wiegand und wird dann etwas ernster. Früher seien Männer wichtig gewesen. Im Beruf, als Familienoberhaupt etwa. Dann komme der Ruhestand und der Bedeutungsverlust. Keine einfache Sache. Gar nicht erst in ein solches „schwarzes Loch“ zu fallen, wolle man gemeinsam erreichen.

Ist das vielleicht schon die Antwort auf die eingangs gestellte Frage: „Wann ist ein Mann ein Mann?“ Die Erfahrung der Gruppe zeigt: Nicht unbedingt dann, wenn er besonders stark ist oder alles allein kann. Sondern vielleicht dann, wenn er bereit ist, gemeinsam mit anderen etwas anzupacken. Am Samstag haben sich über 60 Besucherinnen und Besucher offen dafür gezeigt. Und die können helfen. Mit Spenden etwa oder Arbeitsmaterial. Manfred Wiche wird konkret: „Eine Leiter wäre gut“. Alexander van de Loo

Wer unterstützen will, kann sich unter 06192/910187 bei Kathrin Bennett vom Familienzentrum Kriftel melden.

Foto oben (v.li.): Uli Hau, Falko Chlosta, Heike Fritz, Manfred Wiche, Heiner Tecklenburg, Thomas Wiegand.