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Steinkauz-Population auf hohem Niveau stabil

Steinkauz-Population in Kriftel stabilisiert sich auf hohem Niveau

Zwei Jungeulen.
Zwei Jungeulen.

Wenn in den Krifteler Streuobstwiesen Leitern aufgestellt werden und erfahrene Vogelschützer vorsichtig in Niströhren und Brutkästen blicken, ist wieder Steinkauz-Zeit. Für das Krifteler „Team Vogelschutz“ und Michael Orf von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz gehören die jährlichen Beringungen längst zu den Höhepunkten ihrer Arbeit. Dabei geht es nicht nur um das Anbringen kleiner Metallringe an den Beinen junger Käuze, sondern um wertvolle Erkenntnisse für den Artenschutz – und um den Erhalt einer Vogelart, die vielerorts selten geworden ist.

In Kriftel leben außergewöhnlich viele Exemplare der kleinsten heimischen Eulenart. Das liegt nicht nur an den günstigen Lebensbedingungen in den Streuobstwiesen und Obstplantagen, sondern auch am langjährigen Engagement des Vogelschutzbeauftragten Peter Krüger und seinen Kollegen Richard Hilgart und Heiner Tecklenburg. Der Erste Beigeordnete Martin Mohr dankte dem Team daher am Montag bei der Beringung von Jungvögeln im Hochfeld für seinen Einsatz.

„Die Steinkauz-Population in Kriftel stabilisiert sich auf hohem Niveau. Wenn alles klappt wie gedacht, haben wir nach Abschluss der heutigen Beringungsrunde zwölf Bruten mit 28 beringten Jungkäuzen zu verzeichnen“, berichtete Peter Krüger. Kriftel bleibt also „Steinkauz-City“, wie es von der Presse getauft wurde.

Neue Brutkästen sollen Räuber fernhalten

Innenansicht des Brutkastens.
In der Erprobung:  Der Kasten mit ausgeklügelter Wegführung besitzt zwei Ebenen. 

Seit letztem Jahr hat das Team neue viereckige Brutkästen in der Erprobung, in die Prädatoren (Räuber) schlechter eindringen können. Auf dem Grundstück von Franz Pfeffer, das mit vielen alten Obstbäumen bestückt ist, traf man sich zum Foto- und Gesprächstermin direkt unter einem ganz neuen, modifizierten Kasten, den die Krifteler Vogelschützer von Klemens Fischer, Vorstandsmitglied des NABU Bad Soden, zur Verfügung gestellt bekommen haben. „Die Steinkäuze kommen problemlos hindurch, ein etwa 40 Zentimeter langer Marder mit seinem großen Kopf aber nicht“, erläutert der 87-jährige Vogelschützer, der in seiner Werkstatt an dem Modell getüftelt hat.

Ein Blick ins Innere zeigt die Besonderheit der Konstruktion: Der Kasten mit ausgeklügelter Wegführung besitzt zwei Ebenen. „Die Nestlinge gelangen vom unteren Brutraum erst auf die obere Terrasse, wenn sie einige Wochen alt sind und bereits flattern können. Dadurch wird verhindert, dass sie zu früh aus der sonst üblichen Brutröhre hinausfliegen, vom Baum fallen oder leichte Beute für Räuber werden“, erklärt Fischer.

Die Vorteile des Kastens gegenüber herkömmlichen Brutröhren möchte er künftig auch wissenschaftlich untersuchen lassen und sucht dafür noch eine Universität als Partner. Einen ersten Praxistest hat die Konstruktion bereits bestanden: Bei einem Versuch mit einem Marder in einem Tiergehege konnte das Tier trotz einer in den Kasten gelegten Beute nicht eindringen.

Erfolgreicher Start des Pilotprojekts

„Wir machen bei dem Pilotprojekt und der Erprobung im Feld gerne mit“, betont Kriftels Vogelschutzbeauftragter Peter Krüger. Zwei Kästen wurden auf dem Pfeffer-Grundstück Anfang des Jahres aufgehängt. „Dass hier schon eine Brut zu finden ist, das ist großartig. Daran sieht man, dass sich Steinkäuze auch kurzfristig noch für einen neuen Brutplatz entscheiden“, erzählt er. Bei den diesjährigen Kontrollen stieß das Team allerdings nicht nur auf bewohnte Röhren. Einige Nistplätze waren leer, bei anderen fanden sich Hinweise auf Marderbesuche. Wieder andere Unterkünfte wurden von Gartenschläfern oder Blaumeisen genutzt.

Artenschutz mit Weitblick

Durch Lebensraumverlust, vor allem den Rückgang von Streuobstwiesen und alten Baumhöhlen, ist der Steinkauz in Deutschland selten geworden. Umso wichtiger ist die Arbeit von Naturschutzgruppen und auch des Krifteler Vogelschutz-Teams, das gezielt künstliche Niströhren aufhängt und regelmäßig kontrolliert. Dennoch gibt es natürliche Grenzen des Wachstums. Wie Michael Orf von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz erläuterte, nähert sich die Population in Kriftel einer sinnvollen Obergrenze. Schließlich benötigen auch die Jungvögel später eigene Reviere.

Steinkauz wird beringt.
Die Jungeulen halten still und lassen die Beringung brav geschehen.

Die Beringung junger Steinkäuze ist ein wichtiges Instrument des Vogelschutzes. Jeder Ring trägt eine individuelle Nummer, über die sich später Erkenntnisse zu Alter, Wanderbewegungen und Überlebensraten der Tiere gewinnen lassen, so Peter Krüger. Er zieht eine positive Bilanz: „Wir sind privilegiert in Kriftel. Die Gemeinde unterstützt unsere Arbeit finanziell und organisatorisch, wir treffen bei den Eigentümern der Flächen auf offene Ohren, haben ein engagiertes ehrenamtliches Team und profitieren von einem starken Netzwerk im Natur- und Vogelschutz. Da macht das Arbeiten für Tiere und Natur einfach Spaß – und man kann wirklich etwas bewirken.“ Der Erfolg dieser langjährigen Zusammenarbeit ist sichtbar: eine außergewöhnlich große und stabile Steinkauz-Population, die in der Region nicht selbstverständlich ist.

Gruppenfoto: Freuen sich über den Steinkauz-Nachwuchs (v. li.): Richard Hilgart vom Vogelschutzteam, Michael Orf von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz, Heiner Tecklenburg vom Vogelschutzteam, Klemens Fischer vom NABU Bad Soden, Torsten Horn vom Amt für Grünes, der Erste Beigeordnete Martin Mohr und Kriftels Vogelschutzbeauftragter Peter Krüger.