Spannende Kunst im Rathaus | Gemeinde Kriftel – Obstgarten des Vordertaunus
Zeitung auf Schreibtisch - Aktuelles

Immer informiert

DAS passiert in Kriftel

Spannende Kunst im Rathaus

Neun Künstler und ein Ausnahmepianist

von Alexander van de Loo  Die Künstlervereinigung „Wallauer Fachwerk“ ist im Krifteler Rathaus längst keine unbekannte Größe mehr. Regelmäßig ziehen die Ausstellungen Kunstinteressierte an – und verleihen den Fluren des Rathauses eine ganz spezielle Atmosphäre. Diesmal gab es einen besonderen Anlass zu feiern: Das Wallauer Fachwerk blickt auf 50 Jahre Vereinsgeschichte zurück – und Hans-Peter Krecker ist seit dem ersten Tag federführend dabei.

Seit der Gründung im Jahr 1976 steht er an der Spitze. Als Vorsitzender der ersten Stunde hat er dessen Geschicke über ein halbes Jahrhundert hinweg begleitet und geprägt. Entsprechend groß war das Interesse an der Jubiläumsausstellung, zu deren Eröffnung am Mittwoch, den 2. September, zahlreiche Gäste gekommen waren.

Vor allem fiel die hohe Dichte an künstlerischer Qualität ins Auge. Unterschiedliche Handschriften, Techniken und Themen begegneten sich an den Wänden – Vielfalt statt Einfalt. Mittlerweile zählt die Wallauer Künstlervereinigung mehr als 200 Mitglieder. Franzosen, Armenier, selbst Japaner sind dabei. Die erste internationale Ausstellung sei nach dem Mauerfall gewesen, in der Bretagne 1993.

Warum Fachwerk? Die Erklärung sei letztlich eine Wortspielerei: Gemeint seien Werke im jeweiligen Fach oder Fachgebiet. 50 Jahre Jubiläum? Das sei eine „schöne Reise“ gewesen. Er habe mit 33 Jahren angefangen.

Kunst als gesellschaftliches Ereignis

„Der Verein Wallauer Fachwerk will die Kunst fördern sowie die künstlerischen Fähigkeiten entwickeln und pflegen“, erläuterte Krecker im Gespräch. „Jeder wie er will.“ Wie vielfältig diese Freiheiten genutzt werden, davon konnten sich die mehr als 70 Besucher der Ausstellungseröffnung unmittelbar überzeugen.

Kreker vor Fotografien.
Hans-Peter Krecker vor seinen Fotografien. Fotos: vdLoo

Auch Krecker selbst gehörte zu den Ausstellenden. Mit seinen Arbeiten widmete er sich der Fotografie als eigenständigen kreativen Prozess. „Ich orientiere mich nicht zwangsläufig an einer vollständigen Abbildung der Realität“, betonte der ehemalige Ingenieur. Mitgebracht hatte er Fotografien von Graffiti, entstanden in Krakau und auf eine Palette von 16 Farben reduziert. Gerade diese Beschränkung verlieh den Motiven eine eigene, zwischen Wirklichkeit und künstlerischer Interpretation angesiedelte Bildsprache. „Das Rauhe und Ungestüme dieser Kunst hat mich fasziniert“, so der 83jährige.

Ingrid Franke, im Krifteler Rathaus seit Jahren als Künstlerin und Kuratorin präsent, hatte auch diesmal die Hängung der 23 Gemälde, Collagen und Fotografien übernommen. Die Auswahl und Anordnung sei unmittelbar vor Ort entstanden – „nach Gusto“, wie sie es formulierte. Die unterschiedlichen Arbeiten sollten miteinander und mit den Betrachtern „in einen Dialog“ kommen. „Sie haben sich etwas zu sagen.“ Franke selbst war mit ihren charakteristischen, leicht surrealen und zugleich abstrahierten Landschaften vertreten. Eine kleinere Arbeit wurde unter reger Beteiligung versteigert.

Dr. Frank Fichert, Vorsitzender des Krifteler Kulturforums, eröffnete in Vertretung von Bürgermeister Christian Seitz, der leider erkrankt war, die Ausstellung: Diese vereine unterschiedlichste Kunststile und Techniken und biete den Besuchern eine ebenso vielfältige wie farbenreiche Palette künstlerischer Positionen. „So unterschiedlich nebeneinander“, konstatierte Fichert erfreut, das habe „was von einem Museum“. Die 50 Jahre seien "eine beachtliche Lebensleistung". Anke Heerda und Sarah Dincgez hätten die Vernissage in ihrer gewohnt engagierten Art begleitet und organisatorisch unterstützt, lobte er.

Neun Künstlerinnen und Künstler

Ingrid Franke mit versteigertem Bild.
Ingrid Franke mit Fan: Eines ihrer Werke wurde versteigert.

Ingrid Franke, im Vorstand aktiv, stellte den Abend unter ein Motto: Kunst wasche den Staub des Alltags von der Seele, zitierte sie Picasso und stellte anschließend zur Überprüfung die einzelnen künstlerischen Positionen der Kunstschaffenden vor.

Angelika Brandt-Herbert zeige unterschiedliche Ansichten Frankfurts, die sich als „Citylandschaften“ ebenso mit urbanen Strukturen beschäftigen wie ihre Seebilder mit der Atmosphäre und Weite echter Landschaften. Ulla Hübner hingegen arbeite überwiegend mit Acrylfarben und verbinde gegenständliche Motive mit einer modernen, expressiven Farbgebung. Abstrakte Frauengesichter gehörten ebenso zu ihrem Repertoire wie Tiere, Landschaften nach eigenen Reiseerinnerungen und Stillleben.

Für Karin Krantz (die abwesend war) seien Farben Ausdruck unmittelbarer Lebensfreude. Ihre Bilder entstünden aus einem intuitiven Umgang mit Form und Farbe und spiegelten zugleich persönliche Erfahrungen wider. In „Gedanken in Farbe“ verdichteten sich Erinnerungen und Reflexionen über das eigene Leben zu einer bunten, freien Komposition.

Die Bilder von Sibylle Möller seien zunächst Kopfgeburten. Aus Intuition und Fantasie entwickelten sich farbensatte Kompositionen auf Leinwand. Durch die Einarbeitung von Papier, Sand und anderen Materialien bekämen die Arbeiten eine besondere haptische Qualität. Cornelia Ringenberg arbeite konsequent abstrakt. Ihre bevorzugten Materialien seien Öl-Pastellkreiden, die sie auf Wabenpappe aufträgt, teilweise auf einer zuvor mit Acrylfarben grundierten Oberfläche.

Der junge Pianist.
Der 13-jährige Pianist Maximilian Hongcheng Zhu.

Gisela Rolski widme sich vor allem dem plastischen Gestalten. Ton und Porzellan seien ihre bevorzugten Materialien. Neben technischem Wissen erfordere diese Arbeit viel Erfahrung und ein Gespür für den richtigen Moment. Glasuren und besondere Techniken wie der Raku-Brand verliehen den Arbeiten ihre oft überraschenden Oberflächen. Hiroya (ebenfalls entschuldigt) arbeite mit Acrylfarben und integriere unterschiedliche Materialien in seine Bilder. Dadurch entstünden reliefartige Oberflächen mit einer beinahe dreidimensionalen Wirkung.

Für musikalische Hochstimmung sorgte an diesem Abend der 13-jährige Pianist Maximilian Hongcheng Zhu, der das Publikum mit drei anspruchsvollen Werken auf dem Flügel begeisterte. Seit er sieben Jahre alt ist, hat er an mehr als 30 nationalen und internationalen Musikwettbewerben teilgenommen und dabei regelmäßig beachtliche Erfolge erzielt. Zu seinen jüngsten Auszeichnungen zählt ein Preis bei der International Piano Competition for Young Pianists in Kronberg. Mit großem Applaus und lauten „Bravo“-Rufen bedankte sich das Publikum nach dem meisterhaft interpretierten Stücken von Franz Liszt und Ludwig van Beethoven. 

Die Jubiläumsausstellung „50 Jahre Fachwerk“ ist im Rathaus Kriftel noch bis zum 30. September 2026 zu sehen: montags, mittwochs und freitags von 8 bis 12 Uhr sowie donnerstags von 16 bis 18 Uhr.