„Museum der Krifteler" wird 40 | Gemeinde Kriftel – Obstgarten des Vordertaunus
Zeitung auf Schreibtisch - Aktuelles
Boris Zerwann, © ©Zerbor - stock.adobe.com

Immer informiert

DAS passiert in Kriftel

„Museum der Krifteler" wird 40

100 Gäste feiern Vernissage im Rathaus – Ausstellung bis 28. Oktober

Seitz und Mohr vor einem Plakat.
Rathausspitze begeistert (v. li.): Erster Beigeordneter Martin Mohr und Bürgermeister Christian Seitz.

Das Heimatmuseum Kriftel feiert in diesem Jahr seinen 40. Geburtstag: Am 11. Oktober 1986 wurde die „Heimatgeschichtliche Sammlung" im Rahmen der Krifteler Kulturwochen feierlich eröffnet. In den vier Jahrzehnten seines Bestehens hat sich das Haus mit vielfältigen Aktivitäten zu einem Aushängeschild im kulturellen Leben der Gemeinde entwickelt.

Zum Jubiläum präsentiert das Heimatmuseum gemeinsam mit dem Foto- und Film-Club Kriftel (FFC) die Ausstellung „Ansichten aus Kriftel – einst und jetzt". Zur Vernissage am Mittwochabend im Rat- und Bürgerhaus kamen rund 100 geschichtsinteressierte Gäste – aus Vereinen und Gremien, aber auch zahlreiche Privatpersonen. Eröffnet wurde die Ausstellung von Bürgermeister Christian Seitz; im Anschluss lud die Gemeinde zu einem kleinen Empfang.

Vor den einmaligen Bildern wurde lange diskutiert und in Erinnerungen geschwelgt, mit vielen Überraschungen über den starken Wandel Kriftels seit 1920: vom noch sehr ländlich geprägten Ort bis zur modernen, zentralen und lebendigen Gemeinde im Rhein-Main-Gebiet. Dabei konnten ältere Gäste den jüngeren von ihren Erfahrungen berichten. Aber auch die alteingesessenen Kriftelerinnen und Krifteler erlebten noch Überraschungen. Einige Gäste entdeckten sogar Verwandte auf den Bildern.

Ein „Museum der Krifteler" – und das Gedächtnis der Gemeinde

Nach der Begrüßung durch den Bürgermeister blickte Gemeindearchivar Dr. Detlef Krause auf vier Jahrzehnte Heimatmuseum zurück. Initiatoren des Museums waren der Lokalhistoriker Bernhard Taranczewski und der damalige Bürgermeister Hans-Werner Börs. Erster „ehrenamtlicher Gemeindearchivar“ und Museumsleiter wurde daher auch Taranczewski. Nach dessen Tod im Jahr 1992 wurde Wilfried Krementz zum Nachfolger ernannt. Von 1992 bis 2023 – 31 Jahre lang – führte er das Museum und erforschte zahlreiche Aspekte der Krifteler Geschichte. 2008/2009 wurde die Museumsfläche auf rund 120 Quadratmeter erweitert; die Krifteler Nachrichten würdigten das Haus bereits als „Kleinod".

Formal sei das Heimatmuseum ein Museum der Gemeinde, betonte Gemeindearchivar Dr. Detlef Krause – vor allem aber sei es ein „Museum der Krifteler": Viele Fotos, Exponate und Modelle stammten von Bürgerinnen und Bürgern, es sei „Ihr Museum". Erst kürzlich habe Obstbauer Andreas Theis Geländekarten aus den 1930er-Jahren gestiftet. Das Museum sei ein Ort des Dialogs mit und zwischen den Besuchenden, ein Ort der Erinnerung, zum Beispiel an Personen, Häuser, Straßen und Geschäfte, und ein Lernort, der Wissen über die Geschichte Kriftels vermittele: von der Römerzeit über den Codex Eberhardi aus dem Mittelalter sowie die kurmainzische und preußische Zeit bis heute.

Als „Gedächtnis der Gemeinde" bewahre es analoge und digitale Quellen für künftige Generationen – vom Großen Brand von 1671 über die Gebietsreform 1974 und das Modell der Galeriepassage (1980er Jahre) bis hin zu den Plakaten der Kommunalwahl 2026.

Strukturwandel im Erdgeschoss – „das wahre Leben" auf der Galerie

Wie feiert man am besten 40 Jahre Heimatmuseum? Mit seiner Kernkompetenz habe sich eine historische Ausstellung angeboten: den Ansichten Kriftels von „einst und jetzt“. Das „einst" steuert das Museum bei, das „jetzt" der Foto- und Film-Club. Ziel der gelungenen Kooperation ist es, Alltag und Leben in Kriftel exemplarisch darzustellen – räumlich und arbeitsteilig auf zwei Ebenen.

Im Foyer des Rat- und Bürgerhauses steht der Strukturwandel der Gemeinde im Mittelpunkt: Historische Fotos und Werbeanzeigen Krifteler Geschäftsleute zeigen auf insgesamt elf Tafeln, wie sich Kriftel im 20. und frühen 21. Jahrhundert entwickelt hat mit Themenschwerpunkten wie „Kriftel von oben".

Auf der Galerie widmet sich der Foto- und Film-Club dem Wandel des Alltags und einzelner Objekte: Mehr als 20 historische Motive zum Teil aus den 1920er-Jahren und aktuelle Aufnahmen stehen im Direktvergleich nebeneinander. Zu sehen sind Ansichten von Straßen und Plätzen, aber auch viele Kriftelerinnen und Krifteler. Die aktuellen Fotos haben die Mitglieder eigens für die Ausstellung aufgenommen; neun Fotografinnen und Fotografen waren beteiligt, wie Carol Wanske vom FFC berichtete – mit großer Freude und viel Spaß an der Sache.

„Das Zusammenspiel von einst und jetzt verspricht interessante An- und Einsichten in Kriftels Geschichte und Gegenwart", freute sich Bürgermeister Christian Seitz. Musikalisch untermalt wurde der Abend von Horst Debnar-Daumler am Saxofon.

Ausstellung bis 28. Oktober zu sehen

Keine Ausstellung ist vollkommen: Hinweise, Ergänzungen, Kritik und Lob sind ausdrücklich willkommen, betonte Dr. Detlef Krause. Er dankte allen Mitwirkenden: der Gemeinde Kriftel, dem Team der Verwaltung und Grafikerin Anja Feix. Übereinstimmendes Fazit der Gäste: Ein toller Abend, der nachwirkt, und eine Einladung an alle, selbst auf Entdeckungsreise durch die Krifteler Geschichte zu gehen.

Die Ausstellung „Ansichten aus Kriftel – einst und jetzt" ist bis zum 28. Oktober im Rat- und Bürgerhaus zu den Öffnungszeiten zu sehen. Anschließend werden die Tafeln aus dem Erdgeschoss noch einmal im Heimatmuseum präsentiert (November).