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Altes Hypothekenbuch restauriert
Hypothekenbuch aus dem 17. Jahrhundert wurde fit gemacht für die Nachwelt
Dank der finanziellen Unterstützung durch die Bürgerstiftung Kriftel konnte Kriftels Gemeindearchivar Dr. Detlef Krause das wertvolle Hypothekenbuch des Schultheiß Christoph Trost aus dem Jahr 1676 restaurieren lassen und somit für die Nachwelt erhalten. „Das Buch ist eines der wenigen Zeugnisse aus der Geschichte Kriftels aus dem 17. Jahrhundert: Es enthält Informationen und Nachträge aus den Jahren 1661 bis 1721“, betont Dr. Krause. Er bedankte sich jetzt noch einmal persönlich herzlich beim Stiftungsrat der Bürgerstiftung für die großzügige und unbürokratische Unterstützung und hatte das restaurierte Buch mit ins Rathaus gebracht.

Dr. Detlef Krause (links) zeigt im Rathaus Frank
Bechstein und Lara Rötzsch vom Stiftungsrat das restaurierte Buch aus dem 17.
Jahrhundert.
Hauptsächlich handelt es sich um ein „Verlegungs- oder Hypothekenbuch“. Darin werden Geldgeschäfte dokumentiert, und zwar Pfandgeschäfte. „Vereinfacht gesagt, geht es um Kredite und Kreditsicherheiten“, erklärt der Gemeindearchivar. Geld kam von der Kirche als wichtigem Kreditgeber. Sicherheiten waren meist Landbesitz wie Acker und Wiesen. Man erfährt die Namen der Akteure (Pfarrer war Bruder des Schultheiss), Namen der Kreditnehmer, Höhe der Kredite (Kleinkredite 20-30 Gulden), Flurnamen und Namen von Pfarrern und Kirchenjuraten (Gemeindekirchenrat).
Bericht vom großen Brand im Jahr 1671
Auch ein ausführlicher Bericht über den großen Brand in Kriftel am 6. März 1671 ist enthalten und konnte wie folgt in lesbare Form übertragen werden: „Den 6.ten Martii Ist alhier zu Crüfftel in Herrn Johann Ohausen Schultheis(s)ens Scheuwer ein Feuwersbrunst entstanden, also daß von Morgens 10 Uhre biß 12 Mittags daß gantze Dorf benebens der Kirch, außgenommen das Pfarrhaus, Peter Schicklings neuwe Hauß, Jacob Wolfen Hauß, Jost Krämers Häußlein, daß Backhauß und Wendel Schneiders Scheuwer hinden ahm Haingraben, in Flammen aufgangen, auch beide Glocken, und alleß waß in der Kirche gewesen verschmolzen und verbrandt.“
Die Restaurierungsarbeiten waren sehr umfangreich und langwierig, berichtet der Gemeindearchivar, denn das Buch wies von allen Schriftstücken im Heimatmuseum die größten Schäden auf: „Erhebliche Schäden gab es an Einband und Buchblock. Im Einband gab es Risse und Fehlstellen. Das Leder war mit schädlichem Kunstharzklebstoff auf dem Deckel verklebt, im Holzdeckel fanden sich zudem vereinzelt Insektenfraßlöcher. Der Buchblock war vom Einband gelöst, mehrere Seiten hatten Wasserschäden und starke Verfärbungen, es gab aufliegende Schimmelsporen und vielfache Schmutzpartikel“, so Dr. Krause. „Zahlreiche Seiten hatten Fehlstellen, Risse und Knicke, ausgefranste Blattränder. Mit Klebestreifen waren Reparaturen in der Vergangenheit unsachgemäß ausgeführt worden.
Profis stellten Lesbarkeit wieder her
Nach dem Reinigen und Dekontaminieren des Buchs, dem Entfernen von Klebestreifen, dem Auftrennen des Leders am Buchrücken und der Befestigung mit neutralem Kleber, dem Auffüllen der Fehlstellen mit Holzkitt und Glattschleifen sieht das Buch nicht nur besser aus, es kann auch erhalten werden. Risse im Buchblock wurden mit Japanpapier ausgebessert und dieser wurde wieder mit dem Einband verbunden. “Das alles ist ein enormer Arbeitsaufwand, denn alle Arbeiten müssen manuell ausgeführt werden“, weiß Dr. Krause. Er hatte das wertvolle Buch in Hände von Spezialisten des renommierten Atelier Carta von Martina Noehles in Mühlheim/Main gegeben.
„Das Buch ist eine historisch bedeutende Quelle zur Geschichte Kriftels in der Frühen Neuzeit. Ich freue mich, dass so ein wertvolles Werk hoffentlich für die nächsten Jahrhunderte fit gemacht wurde“, betont Bürgermeister Christian Seitz, der auch Vorsitzender des Stiftungsrates ist.

