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DAS passiert in Kriftel

Umspannanlage noch effizienter

Feierliche Inbetriebnahme der Umspannanlage in Kriftel: So bleibt es spannend

Im Krifteler Läusgrund liegt ein Knistern in der Luft. Wenn man stehen bleibt und lauscht, kann man den Strom in den Leitungen hören. Manchmal sieht man ihn auch. Wenn sogenannte Lichtbögen entstehen. Wichtig ist, dass er dort ankommt, wo er gebraucht wird. Bei den Bürgern und den Unternehmen im Rhein-Main-Gebiet. Stabil. Gleichmäßig. Lückenlos. Damit das auch in Zukunft gewährleistet ist, wurde am Freitag, den 30. August, mit viel Politprominenz die neue Blindleistungskompensationsanlage in Kriftel in Betrieb genommen. Das klingt nicht nur eindrucksvoll, sie ist es auch.

Denn die erweiterte Umspannanlage im Krifteler Läusgrund soll einen wesentlichen Beitrag zur langfristigen Sicherung der Stromversorgung im nordwestlichen Rhein-Main-Gebiet und im Industriepark Höchst leisten. Die mit 380 Kilovolt über die Freileitungen transportierte Energie wird in der Anlage heruntertransformiert und anschließend über das 110-Kilovolt-Netz regional verteilt. Die Anlage ist seit 2004 in Betrieb und wurde von 2016 bis 2018 erweitert. Betreiber Amprion investierte in den vergangenen drei Jahren insgesamt rund 34 Millionen Euro in die Modernisierung der Anlage.

Skeptiker überzeugt

Nichtsdestotrotz stieß die Idee einer Erweiterung und Ergänzung - so wie damals schon der ursprüngliche Bau der Umspannanlage - auf Vorbehalte in der Krifteler Bevölkerung.  Auch darauf ging der Erste Beigeordnete der Gemeinde Kriftel, Franz Jirasek, in seiner Grußrede ein: „Wir haben uns als Gemeinde der Aufgabe gestellt und auch klar Position bezogen. Gemeinsam konnten wir alle Beteiligten von der Wichtigkeit und Bedeutung überzeugen, sodass das Projekt weiter vorangetrieben werden konnte. Wir können in der Region Frankfurt-Rhein-Main, der Metropolregion, nicht immer von prosperierenden Märkten und Entwicklung sprechen, sondern wir brauchen auch die erforderliche Infrastruktur. Dazu gehört natürlich auch ein modernes, hochleistungsfähiges Stromnetz, mit allem was dazu gehört“.

Darüber hinaus hob Jirasek in seiner Rede die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den verantwortlichen Mitarbeitern bei Amprion hervor, die stets von einem fairen und offenen Miteinander geprägt gewesen sei: „Einvernehmlich waren wir in der Lage und bereit, an Amprion etwas mehr als 18.000 Quadratmeter Grund und Boden für die Erweiterung zu veräußern. Gleichzeitig erhielten wir etwa in der gleichen Größenordnung Flächen, über die Gemarkung Kriftels verteilt, die Amprion gehörten. Das war für uns sehr wichtig, da wir so unseren Obstbauern und Landwirten wieder Flächen zur Verpachtung anbieten konnten.“

Ohne Spannungsverluste

Letztlich sei die neue Anlage ein unverzichtbarer Beitrag zur Energieversorgung, wie auch Jens Deutschendorf, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, nach der offiziellen Inbetriebnahme verlauten ließ: „Hessen will seinen Energiebedarf im Jahr 2050 vollständig aus erneuerbaren Quellen decken. Das erfordert auch einen Umbau unserer Stromnetze. Die Investition von Amprion in Kriftel ist ein wichtiger Beitrag zur Energiewende in unserem Bundesland.“

Die bestehende Umspannanlage wurde in den Jahren 2016 bis 2018 um eine Hybridanlage zur Blindleistungskompensation sowie um vier 380 kV-Schaltfelder, eine Sammelschiene und eine Umgehungsschiene erweitert. Notwendig wurde die neue Technik durch die veränderte Struktur der Stromerzeugung im deutschen Stromnetz: Die Energiewende macht einerseits einen Ausbau des Übertragungsnetzes erforderlich sowie andererseits dessen Ergänzung um Blindleistungskompensationsanlagen. Die Kompensationsanlagen helfen den Übertragungsnetzbetreibern dabei, die erheblichen Spannungsschwankungen auszugleichen, die an den Netzknoten entstehen.

Ein gutes Investment

Es wurde also in den Fortschritt investiert. 42 Millionen Euro haben die neuen Anlagen gekostet. Bei der ersten Inbetriebnahme vor 15 Jahren waren es annähernd so viele Millionen und zudem ein großes Spektakel. Dazu Franz Jirasek: „Das Investitionsvolumen wurde 2004 mit rund 40 Millionen Euro angegeben. Herzstück waren die drei großen Netztransformatoren. Für uns Krifteler war es natürlich ein Erlebnis, als diese auf Schwertransportern, mitten in der Nacht, angeliefert wurden. Immerhin wiegt ein solcher Netztransformator mehrere hundert Tonnen und hat das Ausmaß eines Güterwagons. Und heute sind wir hier und feiern wieder eine Inbetriebnahme.“

Und was sich für den Laien in etwa so verständlich wie Altgriechisch anhört, lässt Kriftel tatsächlich überregional in einem wichtigen Licht erscheinen. „Diese Anlage in Kriftel ist die bisher leistungsstärkste ihrer Art in Europa“, betonte Tim Davidowsky, Chef der Anlagensparte von Siemens, in seiner Rede.

Umschalten im blauen Geisterlicht

Dramaturgischer Höhepunkt der Feier war die symbolische Inbetriebnahme im Inneren der Anlage durch einen medienwirksamen Umschalter - in geisterhaftes blaues Licht getaucht. Dort legten Dr. Klaus Kleinekorte (Amprion), Christian Seitz (Bürgermeister Kriftel), Jens Deutschendorf (Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen), Franz Jirasek (Erster Beigeordneter Kriftel) und Tim Davidowsky (Siemens)  beherzt Hand an und den Schalter um.

Nach dem Festakt konnten sich am Freitagnachmittag auch Anwohner und Interessierte ein Bild von der Umspannanlage machen. Beim Tag der offenen Tür informierte Amprion über seine Aufgaben und Projekte, führte Besucher durch die Umspannanlage und bot schwindelfreien Gästen einen ungewöhnlichen Perspektivwechsel: Wer den Aufstieg mit einer LKW-Hubarbeitsbühne wagte, der wurde mit einem tollen Blick über die Anlage und die Umgebung belohnt. Alexander van de Loo

Was ist Blindleistung? Für die Energieübertragung mit Wechselstrom ist Blindleistung erforderlich. Sie stützt die Spannung im Netz bei der Übertragung großer Leistungen über weite Strecken. Solche weiträumigen Stromtransporte sind zum Beispiel erforderlich, um Windstrom aus dem Norden im industriereichen Süden Deutschlands nutzen zu können. Bisher wurde sie vor allem von den Generatoren der Großkraftwerke bereitgestellt. Da viele von ihnen im Zuge der Energiewende vom Netz gehen, reagiert Amprion mit der Installation von Blindleistungskompensationsanlagen. Mithilfe von Blindleistung kann die Spannung im Stromnetz je nach Bedarf angehoben oder abgesenkt werden. In Kriftel hat Amprion zwei dieser Anlagen errichtet: Einen mechanisch geschalteten Kondensator mit Dämpfungsnetzwerk (MSCDN) sowie eine leistungselektronische Kompensationsanlage (STATCOM). Je nach Bedarf können sie die Spannung im Netz anheben oder senken und sichern.  A. van de Loo

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