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WGS feierte Abgänger

Weingartenschule feierte ihre Abgänger und ein paar Tugenden

Respekt, das muss man sagen. So viele waren es noch nie. Insgesamt 161 Schülerinnen und Schüler nebst Angehörigen stehen am Montag vor der Turnhalle der Weingartenschule (WGS). 32 Hauptschüler, davon 27 mit Qualifikation, 70 Realschüler, davon 49 mit Fachoberschulempfehlung, 33 mit Gymnasialempfehlung und 59 mit Gymnasialabschluss. Die Mädchen in schönen wehenden Kleidern oder luftigen „Jump-Suits“.  Viele Jungs haben Anzüge an oder zumindest ein weißes Hemd und dunkle Hose, einige haben sogar Krawatten umgebunden. Ein besonderer Tag, das sollte man sehen.

Hier, wo normalerweis die Leibesertüchtigung stattfindet, werden heute die Abschlusszeugnisse verteilt und die jungen Leute in die Freiheit entlassen. „Freiheit“ stimmt schon für einige, wie zum Beispiel für die Schülerin Yves.  Sie habe eine Freiheit sogar innerhalb der WGS gespürt, sei die Schule doch der Ort gewesen, an dem sie im Kunstkurs die künstlerische Freiheit  kennenlernte.

Gut, etwas Neues zu wagen

Generell währt die Freiheit  ja für die meisten hier nur kurz. Sechs Wochen, und schon geht es weiter. Abitur und Berufsausbildung lassen grüßen. „Klar, wir haben hier jahrelang Freundschaften aufgebaut“, sagen Meleba, Aicha und Sudenaz,  „aber jetzt haben wir ein neues Ziel!“ Es sei gut, etwas Neues zu wagen, betont auch die kommissarische Schulleiterin Elke Wetterau-Bein in ihrer Rede an die versammelte Zuhörerschaft. Ihr beherztes „Traut euch!“ haben gewiss so einige hier schon verinnerlicht,  und auch ihr Appell  „bleibt neugierig!“  erhält Applaus. Denn so, wie das Leben weitergehe, höre auch das Lernen nie auf. 

Lernbereitschaft - für die einen eher ein Albtraum, für die anderen ein Traum. Bei den drei besten ausländischen Schülerinnen und Schülern, die von der Vorsitzenden des Krifteler Ausländerbeirates, Carmen Jimenez, vorgestellt und geehrt werden, gingen Träume in Erfüllung.  Yeo Yool Kim aus Südkorea, Maya Kourieh aus Syrien und Walid Djan aus Afghanistan seien beste Beispiele für gelungene Integration, so Jimenez. Sie zeigten gute Leistungen und sprechen ein gutes Deutsch. „ Die Sprache gut zu sprechen“, sei ein Muss, so Jimenez. „Ohne Fordern kein Fördern!“, das sei die Zukunft.

Qualitäten der Frankfurter Eintracht

Nach diesen guten Aussichten folgt ein visueller Rückblick auf das Jahr. Da fällt besonders der Tugendkanon von Manuela Becker, die Klassenlehrerin der G10b ins Auge. Sie bittet ihre Abgangsschüler, für ihr Weiterkommen die Qualitäten der Frankfurter Eintracht zu beherzigen: Siegeswillen, Können, Zielstrebigkeit und Trefferquote.   

Desweiteren stellt sie in einer recht persönlichen Ansprache die Schwierigkeit dar, nach der 10. Klasse die richtige Entscheidung für sich zu treffen – unabhängig von Elternwünschen und eigenen Bedenken. Es gibt eben nichts Gutes, außer man tut es.

Passend dazu hebt Eva Wittchen, Klassenlehrerin der H9a, in ihrem Videobeitrag die Tugenden der Weingartenschule hervor: Pünktlichkeit, Disziplin, Zuverlässigkeit und Respekt. Und tatsächlich, in einer spontanen Umfrage unter den Jugendlichen stimmen viele so wie Sara, Emely und Maya zu: „Respekt für andere spielt an der WGS eine große Rolle“.

Abbild der Gesellschaft

Es sei eben eine Gesamt-Schule, wie Elke Wetterau-Bein bemerkte, „ein bunt gemischtes Abbild der Gesellschaft“. Ohne Regeln gehe da nichts. Dem kann Bürgermeister Christian Seitz, selbst ein ehemaliger WGS-Abgänger, nur zustimmen. „Engagiert euch für das Gemeinwohl, warum nicht in der Politik?“, lautet sein Wunsch. Dass da ein Bedarf an Nachwuchs besteht, weiß so manche Kommune. Manuela Becker setzt in ihrem Appell noch einen obendrauf: „Habt Mut und probiert Dinge aus, die Ihr euch erst einmal nicht zutraut. Werdet Programmierer, Schulsprecher oder Klimaschützer!“

Die engagierte WGS-Schulband zeigt eindrucksvoll, wie das geht, über sich hinauszuwachsen. Da blitzt – von Musiklehrerin Carolin Acker angeleitet - das eine oder andere Talent im Gesang oder an der Gitarre auf. Bemerkenswert auch, was der amerikanische Austauschschüler Mark über sein Austauschjahr zu sagen hat. Der Unterricht sei hier viel abwechslungsreicher als in den USA, das deutsche Brot unvergleichlich gut. „Abi in Deutschland, das wäre super“, sagt er überzeugt.

Beim großen Abschlussfoto stehen alle noch einmal zusammen und feiern sich und die gelungene Abschiedsfeier. Respekt – auch dafür, ist die einhellige Meinung. Alexander van de Loo

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