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WGS: Abschluss ganz anders

Corona-Jahrgang erhielt Abschlusszeugnisse – mit Ein-Frau-Orchester und Ellenbogencheck

Was haben sich größere Schulen nicht alles einfallen lassen müssen: Abschlussfeiern in Autokinos, Schwimmbädern oder Fußballstadien. Denn Abstand halten erfordert Platz. Auch in der Weingartenschule in Kriftel. Am Freitagnachmittag, den 26. Juni 2020, wurden 99 Haupt- und Realschülerinnen und Schüler feierlich entlassen, am darauffolgenden Montag 32 Gymnasiasten. Für die Feiern hatte die Schulleitung eigens das geräumige Forum der Schule freigehalten.

Da gab es genügend Raum für die Jugendlichen, die Schulleitung, den Elternbeirat und die Klassenlehrer. Den wichtigsten Job hatte in diesem besonderen Schuljahr aber eigentlich Hausmeister Can Uncubasi. Jeden Stuhl, auf dem die Schülerinnen und Schüler der einzelnen Klassen Platz genommen hatten, musste er nämlich anschließend säuberlich desinfizieren.

Dass dennoch keine sterile Atmosphäre aufkam, dafür sorgte das „Schulorchester“ in Form von Musiklehrerin Carolin Acker am Klavier. Denn sang- und klanglos sollte niemand verabschiedet werden. Deswegen wurde sie in diesem Jahr von Gesangs-Solistinnen begleitet. Chor oder Band waren ja nicht erlaubt. Genauso wenig wie Eltern, Familie und Freunde der Abschlussjahrgänge.

Der Abschlussball fehlte

„Der Abschlussball und das gemeinsame Feiern fehlt total“, beklagte Angela Rahmani aus der H9B, die Jahrgangsbeste im Hauptschulzweig war (Durchschnitt 1,4) und nun anschließend ihren Realschulabschluss machen will. Auch sie hat wie alle hier in Abstand zu ihren Mitschülern gesessen und den aufmunternden Reden gelauscht. Dann wurde sie aufgerufen, bekam von ihrer Klassenlehrerin ihr Zeugnis und von der Direktorin eine Rose. Alle Offiziellen hielten Abstand und trugen Gummihandschuhe. „Der erste Abschluss, bei dem ich Euch nicht die Hand geben darf“, bedauerte Realschulzweigleiter Dr. Christoph Richter, und ersetzte kurzerhand den kräftigen Händedruck durch den Ellenbogencheck. Eine seltsame Zeit.

Ein stacheliges Schuljahr

„Vorsicht“, warnte Schulleiterin Elke Wetterau-Bein die Absolventen, „die Rosen haben noch Dornen.“ Ein stimmiges Sinnbild für das vergangene Corona-Halbjahr, denn das sei ja auch ziemlich stachelig gewesen. „Die letzten Monate waren mega anstrengend“, weiß auch Ali Asikli aus der H9B zu berichten, „Maskenpflicht, Abstandsregeln und wenig Kontakte zu Freunden in der Schule“. Dieser Meinung würde sich wohl die Mehrheit der Schüler anschließen. Anstrengend sei es in der letzten Zeit gewesen, hörte man an diesem Tag an jeder Ecke. Aber nicht alle denken so. „Ich fand die Schule so besser, man hatte weniger Unterricht und konnte sich voll auf die Abschlussarbeiten konzentrieren“, äußerte Maximilian Seitz aus der R10B zufrieden. Vermisst er die Party? Er möge so große Feiern eh nicht so gerne, winkte er ab.

Viele der schön angezogenen Mädchen und Jungs haben dann wohl gezwungenermaßen im kleinen Kreis gefeiert. „Wir werden uns nach Corona auf jeden Fall nochmal als Klasse treffen“, ist sich Schulsprecherin Chaymaa Zemrani aus der R10C sicher. Viele ihrer Freundinnen hätten sich schon hübsche Abendkleider für den Abschlussball gekauft. „Schade. Ich vermisse das gemeinsame Event. Irgendwie sei es auch nicht so emotional wie sonst.“

Aufbauende Reden

Immerhin war es bei 33 Grad im Schatten ähnlich heiß wie im vergangenen Jahr in der proppenvollen Sporthalle. Aber das war auch schon fast die einzige Gemeinsamkeit mit der Vor-Coronazeit. Obwohl - die Reden der Klassenlehrkräfte und von Direktorin Elke Wetterau-Bein waren auch in diesem Jahr animierend und auch ein wenig wehmütig. „Ihr seid durch“, brachte Schulsprecherin Chaymaa das Ereignis treffend auf dem Punkt. Ein letztes Mal rief Gymnasialzweigleiterin Nicola van de Loo ein herzliches „Salvete, discipuli et discipulae“ zur Begrüßung ihrer Lateiner. „Es ist aber nur ein Zwischenstopp“, ergänzte Elke Wetterau-Bein aufmunternd und hatte auch noch einige Lebensweisheiten parat: „Wer vermeiden will, sucht Gründe. Und wer erreichen will, sucht Wege. Nehmt euer Leben in die Hand, habt Mut und überwindet Hindernisse!“

Viel Verzicht

Zum Abschluss versammelten sich die Schulabgänger klassenweise auf dem Schulhof für ein Abstands-Abschieds-Foto. Die meisten von ihnen wissen, was sie wollen. Jahrgangsbester Matteo Bianco aus der R10A (Durchschnitt 1,4) geht nach den Sommerferien auf ein Gymnasium in Frankfurt. „Ich bin gespannt, was kommt“, freute er sich. Aber so einen Teamgeist wie an der WGS werde man wohl nicht mehr so leicht finden. Was die Lehrkräfte an Engagement für ihre Schülerinnen und Schüler gebracht hätten, das sei schon etwas ganz Besonderes.

Es war eine seltsame Mischung aus Wehmut und Erleichterung auf dem Schulgelände zu spüren. Alles war anders als sonst. Ganz besondere, einmalige Umstände für die 141 Schüler dieses Jahrgangs. Das empfand auch Amelie Feuerbach aus der G10a, die mit einem Durchschnitt von 1,1 die Beste im Gymnasialzweig ist. Jetzt kommen die großen Ferien. In diesem Jahr bleiben die meisten zu Hause. Alexander van de Loo

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