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DAS passiert in Kriftel

Einsatz für die Artenvielfalt

Artenvielfalt soll weiter gefördert werden
Ungemähte bunte Wiese im Ziegeleipark.
Seit 2017 werden die Wiesen im Ziegeleipark nur ein- bis zweimal im Jahr gemäht.

„Wir befassen uns schon seit längerer Zeit intensiv mit dem Thema der Förderung von Artenvielfalt. Zahlreiche Maßnahmen wurden bereits erfolgreich umgesetzt, weitere sind in Planung“, das teilte der Erste Beigeordnete Franz Jirasek jetzt in den Ausschüssen mit. Geplant sei es, wenn die Gemeindevertreter dem in der Sitzung am 11. Februar zustimmen, ab dem Frühjahr 2021 eine ausgewählte Wiese im westlichen Teil des Freizeitparks aus der intensiven (10 bis 12 Mähgänge pro Jahr) in die extensive Pflege (1 bis 2 Mähgänge pro Jahr) zu überführen.

Die Gemeindevertretung hatte in ihrer Sitzung am 21. Oktober 2019 den Antrag der Fraktion GRÜNE zur Förderung der Artenvielfalt angenommen: Der Gemeindevorstand wurde gebeten zu prüfen, welche Flächen im Freizeitpark sich für die Anlage von Extensiv-Wiesen eignen. Außerdem sollte bei den Landwirten für die Anlage von Blühstreifen geworben werden.

Artenrückgang entgegen wirken

„Öffentliche Grünflächen bieten nicht nur Lebensraum für Menschen, sondern auch für viele Pflanzen- und Tierarten. Somit müssen diese Räume die unterschiedlichsten und auch oft gegensätzlichen Anforderungen erfüllen“, heißt es in der Vorlage für die Gemeindevertreter. In den letzten Jahren habe die Gemeinde Kriftel bereits zahlreiche Maßnahmen umgesetzt und auch weitere Strategien festgelegt: So werde bei der Neuanpflanzung von Gehölzen auf deren Nützlichkeit für Insekten und Vögel geachtet. „Falls die Umgebung es zulässt, werden gefällte Bäume nicht mehr entsorgt, sondern als Totholzstruktur vor Ort belassen. Nach Möglichkeit werden auch Schnittgut und Laub nicht mehr entfernt und dienen so als weitere Strukturen in den innerstädtischen Grünflächen“, wird ausgeführt.

Durch zeitlich versetzte und abschnittweise durchgeführte Winterschnitte an Hecken würden vielfältige Strukturen erhalten. Ein Team von freiwilligen Helfern, darunter der Vogelschutzbeauftragte Heiner Tecklenburg und sein Nachfolger Peter Krüger (ab 1. Januar 2021), habe in den vergangenen Jahren ein flächendeckendes Netz von Vogelnisthilfen und Fledermauskästen im gesamten Ortsgebiet aufgebaut. Diese Kästen werden regelmäßig gereinigt und die Anzahl der Nistkästen wird weiter ausgebaut.

Insektenfreundliche Staudenbeete

Viele neuangelegte Pflanzflächen wurden bereits mit heimischen Stauden und Insektennisthilfen bestückt. „Weitere insektenfreundliche Staudenbeete sind in Planung“, so Jirasek. „Eine extensive Pflege erfahren bereits die meisten Wiesenflächen, die sich außerhalb des Ortskerns auf unbebauten Grundstücken befinden. Auch einige zuvor intensiv gepflegte Rasenflächen im Ortsbereich werden nur noch zweimal im Jahr gemäht.“ So soll noch dieses Jahr durch eine Initialansaat - streifenförmig meist mittig angelegte Pflanzflächen, die mit Saatgut oder Stauden bestückt werden und sich nach allen Seiten in der Wiese ausbreiten/aussähen können - zusammen mit einer Staudenpflanzung die Aufwertung der etwa 2.000 Quadratmeter großen Wiesen Am Mühlbach erfolgen.

Die Biodiversität in städtischen Räumen sei in der Regel viel höher ist als auf den umliegenden, intensiv landwirtschaftlich genutzten Flächen. „Urbanes Grün – dazu gehören Parks, Staudenbeete, Gehölzstreifen oder Wiesen - kann vielen unterschiedlichen Tier- und Pflanzenarten abwechslungsreiche Lebensräume und ein vielfältiges Nahrungsangebot bieten“, führt der Bericht zur „Förderung der Artenvielfalt“ aus. Zudem verzichte die Gemeinde bei der Grünflächenpflege auf Pestizide und den großflächigen Einsatz von Düngemitteln. Sie wirbt bei Landwirten für den Erhalt und die Anlage von Blühstreifen und informiert diese über Fördergelder.

Mähen ja oder nein – Bürger beschweren sich

Was den Freizeitpark anbetrifft, sei es nicht einfach gewesen, geeignete Flächen für eine extensive Rasenpflege zu finden. „Der Gemeindevorstand musste größere Flächen ausschließen, da sich diese in stark frequentierten Bereichen oder in der Nähe der Wohnbebauung befinden und dadurch zu vielfältigen Interessenkonflikten führen können“, so Jirasek. Bereits vor etwa zehn Jahren sei eine Rasenfläche im Freizeitpark versuchsweise in eine extensiv gepflegte Wiese überführt worden. Viele Beschwerden seien allerdings eingegangen, da Freizeitaktivitäten schwieriger durchzuführen waren. So wurde damals schnell wieder „intensiv“ gepflegt.

Die nun für extensive Pflege ausgewählte Fläche ist etwa 3.800 Quadratmeter groß und befindet sich im westlichen Teil des Freizeitparkes zwischen der Wassergewinnungsanlage am Brunnenweg und den Beachvolleyballfeldern, wird in der Drucksache ausgeführt. Diese Rasenfläche ist von einem dichten Gehölzbestand geprägt und wird eher selten zur Erholungs- oder Spielzwecken aufgesucht. Ab dem Frühjahr 2021 sollen diese Flächen nur noch einmal bis zweimal im Jahr gemäht werden, schlägt der Gemeindevorstand vor. Schnittgut wird aufgenommen und entsorgt, aus Gründen der Verkehrssicherung werden die Wiesenränder sechsmal im Jahr gemäht. Mit Kostenersparnissen wird daher nicht gerechnet. Damit eine blühende Wiese entsteht, soll mit einer Ansaat nachgeholfen werden.

Bürger werden informiert

Da nicht alle Bürger ungemähte Wiesen schön finden, möchte die Verwaltung künftig verstärkt über Sinn und Zweck der Maßnahmen informieren. An der Förderung der Artenvielfalt interessierte Bürgerinnen und Bürger wurden bereits Listen mit heimischen Gehölzen und Stauden zur Verfügung gestellt. Es wurden telefonische oder Vor-Ort-Beratungen durchgeführt. Paten von Blumenkübeln wurden gebeten, heimische Pflanzen zu verwenden.

Als Mitglied sowohl des Landschaftspflegeverbandes Main-Taunus Naturlandschaft und Streuobst sowie des Regionalparkverbandes RheinMain beteiligt sich die Gemeinde regelmäßig an ökologisch ausgerichteten Veranstaltungen und Projekten.