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Brennende Seelen im Rathaus

Krifteler Galerie: Sibylle Karola Möller lässt ihrer Phantasie freien Lauf

Erotisch aufgeladene Anspielungen im Krifteler Rathaus? Brennende Seelen und zappelnde Gedanken in den nüchternen Fluren der Verwaltung? Was war da nur los? Ein Skandal? Was sich anhört wie Vorfälle erotischer Belästigung oder von innerlichem Chaos fand bei einer Ausstellungseröffnung am Mittwochabend, den 22. Mai, im gut besuchten Krifteler Rat- und Bürgerhaus tatsächlich statt. Zumindest in den Vitrinen und an der Wand, in einigen der dort ausgestellten und aufgehängten Kunstwerke der Frankfurter Künstlerin Sibylle Karola Möller. Jedenfalls wenn man der leidenschaftlich vorgetragenen Interpretationen der von Möller selbst ausgewählten Kunsthistorikerin und Religionsphilosophin Dr. Iris Gniosdorsch zu folgen bereit war. 

In ihrer mit Furore gehaltenen Laudatio auf die Künstlerin, die zwar „klein und zierlich“ wirke, aber „eine Powerfrau“ sei, stellte sie den Tanz und auch die Erotik als ein Leitmotiv der Werke dar. „Ich sehe diese Kunst als eine Hand, die den Betrachter auf eine Tanzfläche zieht “, führte Dr. Gniosdorsch aus. In Gedanken natürlich und in der Phantasie, wie ja auch passenderweise der Titel der Ausstellung  lautet. Die zwischendurch gut gelaunt aufspielende Bad Sodener Bluegrass-Band „Wolf Creek Trio“ tat das ihrige dazu.

Zur gut besuchten Vernissage hatte das Kulturforum Kriftel eingeladen. Dass Kunst zwar schön sei, aber viel Arbeit mache, wusste schon der Komiker Karl Valentin. Ähnliches hatte auch Bürgermeister Seitz in seinem kurzen Grußwort zu berichten: „Ich freue mich über die blühende Phantasie in den grauen Fluren, aber allein die Aufhängung der Kunst hat viel Anstrengung gekostet.“ Auch die zweite Vorsitzende Elke Wetterau-Bein bedankte sich bei der Künstlerin für die gelungene Ausstellung.

Collagen und Schichten

Folgte man der sympathischen Künstlerin auf einem kleinen Rundgang, bekam man einen persönlichen Eindruck von ihrer Schaffenskraft und ihren Vorbildern: „Ich bin Sammlerin von Material und füge es auf verschiedenen Ebenen auf den Leinwänden zusammen“, erklärte sie. In ihrer Arbeitsweise sehe sie sich in der Tradition der Collagenbilder eines Kurt Schwitter, der informellen Malerei der 60er Jahre oder dem Materialmix eines Anselm Kiefer. Dafür bedürfe es Vorstellungskraft und Abstraktionsfähigkeit von Anfang an. „Sand, Netze, Gewebe oder Lederstücke verklebe, vermische und verdichte  ich mit Farbe“, erläuterte die Künstlerin. So entstehen, von Textur und Farbe herkommend, einzelne reliefartige Bilder, denen man den Schaffensprozess der verschiedenen Schichten ansehen soll.

Ihr bevorzugtes Arbeitsmaterial für die Gemälde auf Leinwand ist die Acrylfarbe, aber auch Kreiden und Stifte benutzt sie. „Die Farbe wird dünn, pastos oder mit Sand vermischt aufgetragen. Durch das Hineinzeichnen in die noch feuchte Farbe entstehen Linien oder Abtrennungen, durch Verwischen der Farbe mit den Fingern, mit einem Lappen oder Schwamm legen sich Farben lasurartig übereinander oder vermischen sich“, erklärte sie ihre Technik. In vielen Bildern entsteht eine haptische Oberflächenstruktur durch das Einkleben von Papier, Fäden, Stoff, Pappe oder anderen Materialien. Ein Teil der Materialbilder ist mit Weißblech oder metallenen Fundstücken gestaltet geworden.

Feuersäulen und Windhosen

Zur Kunst ist Sibylle Karola Möller schon früh gekommen, sie habe eigentlich immer schon gemalt. Schließlich war auch ihr Vater Maler und Bildhauer, sie selbst studierte Modedesign und bildete sich künstlerisch an der Städel Abendschule weiter. Etliche Ausstellungen  in renommierten Galerien und bekannten Unternehmen hat sie schon mit ihren Werken ausgestattet. Seit einigen Jahren ist sie in Frankfurt zuhause, hat aber als Mitglied der Kelkheimer Künstlergruppe eine enge Verbindung zum Main-Taunus-Kreis.

Die Titel der Bilder seien nur ein ungefährer Startpunkt für den Betrachter: „Rote Reihe“, „Vernetzt“, „Fliegen“ oder „Körper“ ist da zu lesen. Tornados, Feuersäulen, als „Fingerzeig Gottes“, so die Laudatorin, sind zu erkennen.  Aber auch erotisch aufgeladenes, gemischt mit Profanem, wie zum Beispiel die Frankfurter Skyline.

Die Lust im Kleinformat

Dazu gesellt sich der Inhalt der Vitrine am Eingang des Foyers, gefüllt mit kleinformatigen Schwarz-Weiß-Collagen mit Teilen von Netzstrümpfen, Pelz und Fetzen von Reizwäsche. Schön ordentlich abgeschlossen hinter Glas liegen sie da, unschuldig Seite an Seite, schlicht „schwarz-weiß“ betitelt, für 70 Euro das Stück. Wie sagte doch die Laudatorin Dr. Gniosdorsch so keck: „Möllers Kunst verführt und fordert im Kopf zum Tanzen auf!“ Alexander van de Loo

Die Ausstellung ist  noch bis zum 19. Juni zu den Sprechzeiten der Gemeindeverwaltung Kriftel zu sehen.

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