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Ministerin besucht Obsthof

Besuch beim Obsthof am Berg - europäische Fördergelder machten Erweiterung möglich

„Wir lieben Obst - seit Generationen“, so ist auf der Webseite der Familie Henrich zu lesen. Und das ist beim Besuch des „Obsthofs am Berg“ auch deutlich spürbar. Josef und Anni Henrich gründeten das Familienunternehmen als Obstanbaubetrieb. Als es in der Ortsmitte von Kriftel für den Betrieb immer enger wurde, siedelten die Henrichs 1970 in die Gemarkung „Am Berg“ aus. 1992 übernahm Sohn Horst als gelernter Obstbauer und Gärtnermeister den elterlichen Betrieb. Seine Söhne Holger (Dipl.-Ing. FH Getränketechnologie) und Ralf (Winzer und Dipl.-Ing. FH Getränketechnologie) setzen nun seit einigen Jahren die Familientradition fort. Sie verlagerten den Schwerpunkt des Obsthofs auf Kelterei und Brennerei.

1983 wurde das Brennrecht erworben und so der Grundstein für die weitere Betriebsentwicklung über Obstanbau und -verkauf hinaus gelegt. 1996 wurde die Kelterei ausgebaut, und 2005 ging mit der Zertifizierung des Obstbaubetriebes auch der Bau einer Verschlussbrennerei einher. Das ehrgeizige Ziel: einen Spitzen-Whisky in Deutschland herzustellen. Das ist gelungen: Mehrfach preisgekrönt wird er längst in ganz Deutschland verkauft.

Eine Krifteler Erfolgsgeschichte

Von dieser Erfolgsgeschichte konnte sich am Montag Lucia Puttrich, die Hessische Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten, ein Bild machen, die auf ihrer „Sommertour“ unter dem Motto „Europa in Hessen – Urlaub in der Heimat“ auf dem Obsthof am Berg einen Stopp einlegte und sich interessiert herumführen ließ. Fast eineinhalb Stunden nahm sie sich Zeit für ein Gespräch mit Holger und Ralf Henrich. Auch Bürgermeister Christian Seitz war gekommen. „Der Obsthof ist ein Vorzeigebetrieb, auf den wir stolz sind. Er macht Kriftel in der gesamten Region und sogar in ganz Deutschland bekannt“, betonte er.

Lucia Puttrich besucht zurzeit Orte in Hessen, die eine europäische Förderung erhalten haben. „Wenn man aufgrund der Corona-Pandemie nicht wie gewohnt durch Europa reisen kann, besuchen wir eben europäische Projekte in Hessen. Zum Beispiel solche, die eine europäische Förderung erhalten haben. Gleichzeitig möchten wir die Hessen auf Plätze aufmerksam machen, an denen man die Schönheit der Heimat genießen kann“, begründete sie ihre Visite in Kriftel. Es sei wichtig, auch starke Regionen zu fördern, damit sie stark bleiben und schwächere Regionen mitziehen, betonte sie.

Im Laufe der Jahre war der Obsthof am Berg mehr und mehr um zusätzliche Anbauflächen, Kühlräume, Lagertanks und Gerätehallen erweitert worden. Zuletzt hatten die Brüder – unterstützt durch Gelder aus unterschiedlichen Fördertöpfen – eine neue Lagerhalle an die alte anbauen können. Sie wurde bereits Ende 2019 fertiggestellt. Entstanden ist in den vergangenen Wochen außerdem ein neuer schöner Raum direkt am Eingang des Hofes, in den der Hofladen demnächst umzieht. Es gibt einen Verkostungsraum und sowohl die Kelterei als auch die Brennerei sind technisch verbessert worden. So wurden zum Beispiel ein neues Heizungssystem und eine neue Füllmaschine installiert. Rund 30 Prozent der Gelder stammen aus hessischen und europäischen Fördertöpfen.

Mindestens drei Jahre lang reift der Whisky in gebrauchten Sherry- und Portweinfässern auf dem Obsthof am Berg. Der Betrieb hat bereits mehrere Preise für die verschiedenen Whiskysorten überreicht bekommen. Seit 2015 produziert die Brennerei den "Gin Sieben", der die sieben Kräuter der berühmten Frankfurter "Grünen Soße" enthält. Das Getränk mit 49 Prozent Alkohol hat sogar bundesweit für Aufsehen gesorgt. Lucia Puttrich zeigt sich sehr interessiert: „Ich bin froh, dass wir ein solches Unternehmen durch Fördergelder unterstützen konnten.“

50 Jahre Obsthof am Berg

Sie erkundigte sich auch nach den Folgen der Corona-Krise für das Unternehmen. „Die sind spürbar“, so Ralf Henrich. "In diesem Jahr haben wir zum Beispiel unsere Straußwirtschaft nicht geöffnet. Die Auflagen waren einfach zu hoch. Das hätte sich nicht gerechnet. Von 150 Sitzplätzen hätten wir nur die Hälfte eindecken können. Und was tun bei Regen? Mal schnell zusammenrutschen unterm Dach geht dieses Jahr eben nicht. Außerdem wollten wir Familie und Freunde, die uns in den Sommermonaten bei der Bewirtung helfen, die strengen Auflagen nicht zumuten und sie auch vor Ansteckung schützen.“ Auch der Spirituosenverkauf an Restaurants und Zwischenhändler sei eingebrochen.

Acht bis zehn Messen besuchen die Brüder mit ihren Erzeugnissen normalerweise pro Jahr, auch der Apfelwein-Absatz ist stark gesunken, da sie das hessische Traditionsgetränk zum Beispiel nicht an große Events, wie zum Beispiel das abgesagte Lindenblütenfest, liefern konnten. Auch der Tag der offenen Tür, bei dem alle Neuerungen präsentiert werden sollte und der natürlich auch Geld in die Kasse bringt, fiel coronabedingt aus – ausgerechnet in dem Jahr, in dem das Jubiläum „50 Jahre Obsthof am Berg“ gefeiert werden. „Aber all das wird auf jeden Fall nachgeholt“, versprechen die Brüder.

Sie freuen sich, dass ihr Hofladen dafür bestens läuft: Bis zu 60 Kunden kommen dort täglich vorbei, um Obst, Gemüse, Kartoffeln, Apfelwein, Obstbrände und natürlich auch den Spitzen-Whisky und den preisgekrönten Gin Sieben zu erwerben.

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