Lions weiter für Jugend aktiv
Seitz lobt Engagement aus der Mitte der Gesellschaft heraus zum Wohle junger Menschen
von Alexander van de Loo Draußen war es ungemütlich und klirrend kalt – überraschend Winter im Januar eben. Umso erfreulicher war es für Lions-Club-Präsidentin Hedi Bender, dass sich dem Wetter zum Trotz zahlreiche Gäste zum Neujahrsempfang am 22. Januar einfanden. Der Hessensaal im alten Posthof in Hattersheim war gut gefüllt. Das aufmerksame Auditorium durfte sich sowohl über eine Bilanz der guten Taten als auch über einen außergewöhnlichen Vortrag freuen, der thematisch bestens zur Jahreszeit passte: Thorsten Büßelberg, Geophysiker und Betriebsleiter beim Deutschen Wetterdienst, schilderte eindrucksvoll, wie er und acht Mitstreiter 14 Monate auf der Forschungsstation Neumayer II in der Antarktis verbrachten – und dort gemeinsam den Herausforderungen extremer Bedingungen trotzten.

Trotz der frostigen Temperaturen gäbe es viel Herzerwärmendes zu berichten, lobte Präsidentin Hedi Bender. Gerade vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Verwerfungen sei soziales Engagement wichtiger denn je. Unter dem Leitspruch des Lions Clubs „Wir dienen“ habe man im vergangenen Jahr gemeinsam mit zahlreichen Unterstützern konkrete Hilfe leisten können. „Vereint hilft man eben erfolgreicher“, lautete Benders Fazit.
Die Hattersheimer Stadträtin Heike Seibert zeigte sich in ihrem Grußwort beeindruckt von den vielfältigen sozialen Aktivitäten des Lions Clubs. Anders als in der großen Politik gebe es hier kein Hin und Her, sondern eine klare Linie, die konsequent in konkretem sozialem Engagement Ausdruck finde. Der Januar eigne sich als erster Monat des Jahres besonders für Rückblick und Ausblick – und die Bilanz könne sich durchaus sehen lassen, betonte Seibert. Besonders hob sie die Jugendarbeit hervor: dass Kinder aus sozial benachteiligten Familien unbeschwerte Ferien in Gemeinschaft erleben könnten, sei von unschätzbarem Wert. Auch die ungebrochene Spendenbereitschaft des Clubs fand ausdrückliches Lob. „Wir wissen auch schon, wo das Geld hingeht“, zeigte sich die Stadträtin überzeugt. Inklusion sei das Schwerpunktthema dieses Jahres. Gerade hier sei Unterstützung besonders wertvoll. Teilhabe bedeute gelebte Verantwortung für die Stadtgesellschaft – und genau diese werde durch das Engagement des Lions Clubs sichtbar.
Eine positive Gegenwelt
Auch der Krifteler Bürgermeister Christian Seitz unterstrich, wie wertvoll es sei, dass sich der Lions Club aus der Mitte der Gesellschaft heraus zum Wohle junger Menschen engagiere. Der gemeinsame Start ins Jahr mit den Lions habe inzwischen eine lange Tradition – „eine Konstante“, wie Seitz betonte. Soziale Wohltaten mit einem anregenden Vortrag zu verbinden, „da ist man doch gerne dabei.“
Trotz aller Konstanten befinde sich die Weltlage derzeit in einem dramatischen Wandel, fuhr Seitz fort. Dabei verwies er auf einen Vortrag des Grünen-Politikers Omid Nouripour, der vor Jahren beim Neujahrsempfang über Weltgeschichte und politische Zusammenhänge gesprochen habe. „Heute haben wir eine komplett andere Welt“, zog der Bürgermeister Bilanz. Vieles habe sich verändert – spannend und beängstigend zugleich. Als Beispiel hob er das bedrohliche Szenario in Grönland und die Lage in der Ukraine hervor. „Das hat Auswirkung auf unsere Gesellschaft“.
So hätten viele junge Menschen in diesen Tagen Post von der Bundeswehr erhalten – Stichwort Musterung, Kriegsstimmung. Er selbst erinnere sich noch gut an die Falklandkrise in seiner Jugend. Ein Krieg um eine kleine Insel, der bei ihm großes Unbehagen ausgelöst habe. Umso wichtiger sei es, dass junge Menschen durch das Engagement und die Spenden des Lions Clubs auch positive Erfahrungen machen könnten. „So wird die Welt ein Stückchen besser“, schloss Seitz seine Rede.
Jugendtreffen in Polen unterstützt
Anschließend blickte Präsidentin Bender auf die vielfältige Arbeit des Lions Clubs im Jahr 2025 zurück. Die „Activities“, wie der Club sein Engagement bescheiden nennt, konnten dabei erneut viel Gutes für gute Zwecke bewirken. Dazu zählte der Adventskalender, die Unterstützung des Trinationalen Jugendtreffens mit Krifteler und internationalen Jugendlichen in der polnischen Partnerstadt Pilawa Gorna sowie das beliebte Entenrennen. Hinzu kamen Spenden für die Familienoffensive Hattersheim, die Mobile Jugendarbeit Hattersheim und den Tierpark. Nicht zu vergessen die geförderten internationalen Projekte, darunter die medizinische Grundversorgung in Äthiopien und das soziale Projekt „Lichtblicke“ in Kenia. Unter großem Applaus des Auditoriums nannte die Lions-Club-Präsidentin schließlich das beeindruckende Gesamtergebnis: Im Jahr 2025 unterstützte der Club die Activities mit 34.000 Euro, getragen von mehr als 300 Einsatzstunden der Mitglieder.
Hedi Bender vergaß auch nicht, sich stellvertretend für alle Förderer persönlich bei den Sponsoren zu bedanken. Ihr ausdrücklicher Dank galt den Inhabern der Raritätengärtnerei Tropica, dem Krifteler Ehepaar May und der Geschäftsleiterin des Globus Hattersheim, Jana Urun-Heinze. Gerade in Zeiten politischer Unsicherheiten und eher düsterer Perspektiven bleibe Hilfe für Menschen in Not oberstes Gebot, betonte Bender. „Gemeinsam für Gutes“, lautete ihr Resümee und Ausblick.
Ein höheres Ziel
In letzter Zeit war ja ein kleines Stück Eis im Norden in aller Munde, das einige wenige unbedingt besitzen wollen. Bei dem Vortrag von Geophysiker Thorsten Büßelberg war auch von Eis die Rede: der Antarktis. Dort, am Südpol, hatte der Vortragende 1998 auf der Forschungsstation Neumayer II mit acht weiteren Teilnehmern überwintert. Das waren 14 Monate inklusive An‑ und Abreise mit dem Forschungsschiff „bei Windstärke bis 12“. Was Überwintern bedeute? Büßelberg holte tief Luft: „Völlige Isolation während des antarktischen Winters, extreme Kälte und monatelange Dunkelheit. Sechs Monate lang sei die Sonne nicht zu sehen gewesen, Temperaturen von bis zu minus 50 Grad keine Seltenheit. „Eine fremde, lebensfeindliche Welt“, so der Geophysiker.
Bei 200 Tagen Sturm sei man eher selten vor die Tür gegangen. „nur auf Expeditionen: Messstationen besuchen, Batterien tauschen“. Die Kälte sei noch nicht einmal das Schlimmste gewesen. „Heimweh gab es schon nach vier Wochen“, so der Geophysiker. Ein psychischer Ausnahmezustand, auch für Wissenschaftler. Überhaupt, in der Station auf engstem Raum menschelte es schon sehr. Was immer wieder neu produziert werden musste, war Wasser. 80 Liter pro Tag, für neun Leute. Das hieß Schnee schmelzen. In Tanks füllen. Da war man beschäftigt, erinnerte sich Büßelberg.
Ozonloch und andere Gefahren
Hauptforschungsfelder waren und sind Meteorologie, Luftchemie (wie Ozonmessungen), Geophysik (Erdmagnetfeld, Seismologie) sowie Glaziologie und Biologie. Damals sei das Ozonloch die große Gefahr gewesen. „Heute ist es aus dem Fokus geraten“, erklärte Büßelberg. Kleiner geworden, dem Ausstieg aus FCKW sei Dank. Einmal seien Sie auf Exkursion zehn Tage festgefahren. Massive Schneeverwehungen. Da brauche es Geduld. Galgenhumor half auch. Stationsmaskottchen „Erwin“ war ein Skelett.
Daneben habe es ungewöhnliche Freizeitaktivitäten gegeben: Eisgolfen, Fechten oder sogar Fahrradfahren im Eis – alles möglich und mit Bildern dokumentiert. Was so wichtig sei an Forschungsstationen? Verlässliche Messergebnisse, um historische Klimaveränderungen zu verstehen und Prognosen für den Klimawandel zu verbessern.
Was man heute in der Gesellschaft oft vermisse, konnte man dort hautnah erleben, betonte Büßelberg: das Miteinander, das Sich-aufeinander-Verlassen-Können, das gemeinsame Arbeiten an einer höheren Aufgabe.

