Großes Interesse an Heizung der Zukunft
Kein Nahwärmenetz für ganz Kriftel – individuelle Energieberatung empfohlen
Gut gefüllt war das Foyer des Rat- und Bürgerhauses am Mittwoch vergangener Woche: Etwa 100 Interessierte waren zur zweiten Bürgerversammlung zum Thema „Kommunale Wärmeplanung“ gekommen. Alexander Feist, Vorsitzender der Gemeindevertretung, hatte eingeladen.
Die Möglichkeit, während der Infoveranstaltung und im Anschluss Fragen zu stellen, wurde rege genutzt. „Das zeigt uns, wie sehr die Krifteler Bürgerinnen und Bürger daran interessiert sind, wie sie ihr Eigenheim auf erneuerbare Energien umrüsten können“, so der Erste Beigeordnete Martin Mohr nach der Veranstaltung. „Viele hatten sich allerdings von der Veranstaltung erhofft, dass wir als Gemeinde individuelle Tipps geben, wie man sein eigenes Haus individuell umrüsten kann. Doch diese Aufgabe können wir nicht leisten, das übernehmen professionelle Energieberater.“
Gut besucht waren daher nach der Veranstaltung die Infostände der LandesEnergieAgentur (LEA) Hessen und des Energieberaters des Main-Taunus-Kreises, Amine Aimut. Auf der Webseite der Gemeinde (www.kriftel.de) sind Ansprechpartner mit Kontaktdaten aufgelistet, auch die Präsentation der Veranstaltung ist abrufbar.
Kommunale Wärmeplanung als strategisches Element

Die Kommunale Wärmeplanung (KWP) sei vielmehr ein „strategisches Element“, das die Basis für eine zukunftsfähige Wärmeversorgung lege, aber exemplarisch zu verstehen und zu nutzen sei, machte Mohr klar. Dazu werden der aktuelle Energiebedarf erfasst, Potenziale vor Ort analysiert und Zielszenarien für die kommenden Jahre entwickelt. Die Planung schaffe Orientierung für Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und Politik – und mache deutlich, wie eine nachhaltige Wärmeversorgung Schritt für Schritt entstehen kann. Dafür arbeitet die Gemeinde mit der Syna GmbH und der HORIZONTE-Group AG zusammen. Bis Ende März 2026 wird der kommunale Wärmeplan für Kriftel fertiggestellt sein. Einzelfallanalysen sind nicht Teil der Wärmeplanung.
Zunächst stellten die Vertreterinnen und Vertreter der Syna rund um Projektleiter Florian Bienias die Entwurfsversion des Wärmeplans vor. Deutlich wurde, dass gehandelt werden muss: „Wenn wir so weiter machen wie bisher, dann sind wir bis 2100 erst bei 58 Prozent Wärmeerzeugung aus erneuerbaren Energien”, so die Experten. Die Bestands- und Potenzialanalyse ergab, dass in Kriftel der Wärmebedarf zu 79,6 Prozent mit Erdgas und zu 13,9 Prozent mit Heizöl gedeckt wird – so wie in vielen anderen Kommunen auch.
„Potenzial der Kläranlage“ vielversprechend
Die Fachleute untersuchten deshalb, welche erneuerbare Wärmequellen in der Obstbaugemeinde überhaupt in Frage kommen. Einige konnten vorab direkt ausgeschlossen werden. Als vielversprechend wird jedoch das „Potenzial der Kläranlage” angesehen, da die „stabile Resttemperatur des Abwassers“ genutzt werden kann – dadurch könnte ein Teilgebiet Kriftels profitieren, wie das Gewerbegebiet rund um Holzweg und Gutenbergstraße. Hier gibt es im näheren Umkreis genügend „Ankerkunden“. Auch ein Anschluss an das Hofheimer Wärmenetz wäre laut Experten denkbar, da in Hofheim-Marxheim ein Rechenzentrum errichtet werden soll.
In Kriftels altem Ortskern sehen die Fachleute zwar einen hohen Wärmebedarf, aber es gibt keine potenziellen Wärmequellen für ein Wärmenetz. Deshalb wird der Ortskern, zusammen mit dem Großteil der Obstbaugemeinde, als Einzelversorgungsgebiet eingestuft. Die vordringliche Frage vieler Besucherinnen und Besucher der Bürgerversammlung – „Kommt ein Wärmenetz für ganz Kriftel“ – konnte somit als nicht umsetzbar verneint werden. Daher sind nun Eigeninitiativen der Bürgerinnen und Bürger gefragt. Bestehende Heizungsanlagen können höchstens bis zum 31. Dezember 2044 mit fossilen Brennstoffen betrieben werden.
Vorschläge, aber keinerlei Verpflichtungen für die Bürger/innen
Nachfragen der Bürgerinnen und Bürger bezogen sich vor allem darauf, wie sie ihre Gasheizungen mit erneuerbaren Energien ergänzen können. Wärmepumpen erschienen vielen als sinnvolle Alternative. Syna-Projektleiter Florian Bienias musste jedoch zugeben, dass die Stromkapazitäten derzeit noch an ihre Grenzen kommen. In den nächsten 20 Jahren wolle man die Kapazitäten ausbauen. Mithilfe des „Online Connection Checks“ von der Syna können Bürgerinnen und Bürger prüfen, ob es bei ihnen zu Hause genügend Netzkapazität gibt, um zum Beispiel eine Wärmepumpe einbauen zu können. Infos unter https://netzanschlusspruefung.syna.de/
Intensiv wiesen die Experten auch noch einmal daraufhin, wie viel eine schrittweise Sanierung des Hauses für Wohnkomfort, Portemonnaie und Klimaschutz bringen kann. Auch Fördermittel können hier genutzt werden. Über das KfW-Programm 458 erhalten Privatpersonen einen Zuschuss von bis zu 70 Prozent der förderfähigen Kosten für den Kauf und Einbau einer neuen, klimafreundlichen Heizung. Infos unter: https://www.kfw.de/inlandsfoerderung/Privatpersonen/
„Die einzig mögliche Lösung, die für alle Gebäude passt, gibt es nicht“, machte der Erste Beigeordnete Martin Mohr abschließend klar. Die Kommunale Wärmeplanung liefere lediglich einen „strategischen Leitfaden“, der keinerlei Verpflichtungen für die Bürgerinnen und Bürger enthalte.

