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DAS passiert in Kriftel

Abschluss der Wärmeplanung

Strategischer Fahrplan für städtebauliche Entwicklungen

Zu Beginn der Sitzung des Planungsausschusses am Montag stellten Florian Bienias (Kommunalmanager der Syna GmH) und Georg Hiltl (Projektmanager der Syna GmbH) in einem kurzen Vortrag den Maßnahmenkatalog des „Kommunalen Wärmeplans der Gemeinde Kriftel“ vor. Dieser, so betonte der Erste Beigeordnete Martin Mohr, sei gedacht als „strategisches Planungsinstrument“. Der Wärmeplan soll den Transformationsprozess der nächsten zwei Jahrzehnte begleiten, allen Akteuren dafür eine Orientierung bieten und bei allen städtebaulichen Planungen und Entwicklungen berücksichtigt werden. Ziel ist es, eine treibhausgasneutrale, kosteneffiziente und nachhaltige Wärmeversorgung bis 2045 zu erreichen.

Rückblick: Im Dezember 2023 hatte die Gemeinde den Förderantrag gestellt, der positiv beschieden wurde, wodurch die Gemeinde eine Förderung in Höhe von 90 Prozent erhält. Im Frühjahr 2025 wurde ein Vergabeverfahren durchgeführt und der Auftrag an die Syna GmbH zusammen mit der HORIZONTE-Group AG vergeben. Die Zusammenarbeit startete Anfang Juli 2025 mit einem internen Kick-off Meeting.

Um alle relevanten Akteure, insbesondere die Kommunalpolitik und die Öffentlichkeit, zu beteiligen und zu informieren fanden zwei Bürgerversammlungen im November 2024 und im Januar 2026 statt (wir berichteten). Am 12. Januar 2026 fand außerdem ein Akteursworkshop im Rahmen der 4. Sitzung der AG Klimaschutz statt. In diesem Rahmen hatte die Politik die Möglichkeit, mit dem Projektteam und anwesenden Netzbetreibern über die zukünftige Energie- und Wärmeversorgung der Gemeinde Kriftel zu sprechen.

Die einzelnen Arbeitsschritte sowie sämtliche Ergebnisse der KWP wurden in einem Abschlussbericht zusammengefasst:

Bei der Bestandsanalyse wurden der aktuelle Wärmebedarf und -verbrauch, die aktuelle Versorgungsstruktur und diverse Gebäudedaten, wie Gebäudetypen und Baualtersklassen, erfasst. Im Jahr 2025 betrug der Wärmebedarf (Nutzenergie) für das gesamte Gemeindegebiet 78,7 GWh, wobei 80 % des Wärmebedarfs mit Erdgas (62,5 GWh/a) gedeckt wird und 14 % mit Heizöl (10,9 GWh/a). Alle anderen Energieträger spielen in Kriftel eine vergleichsweise kleine Rolle.

Die Potenzialanalyse untersucht die Potenziale zur Reduktion des Wärmebedarfs sowie die Möglichkeiten der Wärmeversorgung mit erneuerbaren Energien (EE) beziehungsweise mit unvermeidbarer Abwärme. Die Ergebnisse zeigen, dass die größten EE-Potenziale in der Nutzung der Umgebungsluft mit Luft-Wärmepumpen und in der Nutzung der Abwasserwärme im Ablauf der Kläranlage bestehen.

Das Zielszenario stellt mögliche Entwicklungspfade zur Erreichung einer klimaneutralen Wärmeversorgung vor. Basierend auf den Ergebnissen der Bestands- und Potenzialanalyse erfolgte eine Einteilung in voraussichtliche Wärmeversorgungsgebiete. Insgesamt wurden in Kriftel vier Teilgebiete identifiziert:

Gewerbegebiet Kriftel Ost (Gewerbezentrum Kriftel): Diese wurde als „Wärmenetzeignungsgebiet“ eingestuft. Es weist eine hohe Wärmedichte auf. Zudem steht mit der Abwasserwärme am Ablauf der Kläranlage ein großes Potenzial für die Wärmeversorgung zur Verfügung.

Kriftel Süd-West („Auf der Hohlmauer“): Diese wurde als „Prüfgebiet“ eingestuft. Für dieses Gebiet soll die Möglichkeit eines Anschlusses an das geplante Hofheimer Wärmenetz geprüft werden.

Ortskern: Dieses Gebiet wurde als „Einzelversorgungsgebiet“ eingestuft und weist eine hohe Wärmedichte auf. Allerdings gibt es hier keine Potenziale für Wärmequellen im Bereich Erneuerbarer Energien.

Restliche Gebiete: In allen weiteren Bereichen Kriftels (ebenfalls Einzelversorgungsgebiete) sind keine hohen Wärmeliniendichten oder besonders relevante Potenziale zur Errichtung eines Wärmenetztes erkennbar.

Auf Grundlage des Zielszenarios wurde eine Umsetzungsstrategie entwickelt. Sie enthält einen strategischen Fahrplan, Handlungsstrategien und konkrete Maßnahmen (Maßnahmenkatalog), die die nächsten Schritte hin zu einer klimaneutralen Wärmeversorgung aufzeigen. In Kriftel wurden unter anderem folgende Maßnahmen eingeleitet: eine Strategie zur Dekarbonisierung der Wärmeversorgung für kommunale Liegenschaften, die Einberufung einer Arbeitsgruppe „Wärmewende“, die frühzeitige Erstellung von Energiekonzepten bei Erschließung von Neubaugebieten, die Untersuchung der Potenziale der Kläranlage zur Nutzung in zukünftigen Wärmenetzen, die Untersuchung der Anschlussmöglichkeiten an entstehende Wärmenetze in den Nachbarkommunen und die Erstellung eines integriertes Quartierskonzepts für das Teilgebiet „Kriftel Ortskern“. Eine fortlaufende Beteiligung der Öffentlichkeit sowie weiterer relevanter Akteure ist vorgesehen.