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Trauer um Willi Meyer

Ein Journalist vom alten Schlag: Wilhelm Meyer ist nicht mehr - Kriftel war sein Revier

Die Gemeinde Kriftel trauert um den Journalisten Wilhelm Meyer, den die meisten Krifteler als Willi Meyer kennen: Er ist in der vergangen Woche nach einer länger an ihm zehrenden Krankheit im Alter von nur 74 Jahren verstorben. Willi Meyer war seit den 1970 er Jahren bis zu seinem Tod für die Öffentlichkeitsarbeit der Gemeinde tätig. Er hat damit die bedeutendste Entwicklung Kriftels zur heutigen modernen Gemeinde im Rhein-Main-Gebiet durch seine Berichterstattung dokumentiert.

„Wir haben mit Willi Meyer nicht nur einen hervorragenden Journalisten und Kenner des politischen und gesellschaftlichen Lebens in Kriftel, sondern auch einen guten Freund und liebenswürdigen und klugen Menschen verloren. Wir sind sehr traurig“, so Bürgermeister Christian Seitz, der immer noch erschüttert ist. „Er war nicht nur in der Verwaltung, sondern auch bei den Vereinen, Verbänden und Institutionen und auch bei den Bürgerinnen und Bürger bekannt und beliebt“, ergänzt der Erste Beigeordnete Franz Jirasek.

Profunder Kenner Kriftels und der Vereine

Willi Meyer war ein profunder Kenner der Kommunalpolitik in Kriftel, dem Main-Taunus-Kreis und der Region. Er berichtete nicht nur über die Ereignisse in Kriftel, sondern nahm selbst aktiv am gesellschaftlichen Leben teil. So war er nicht nur bei Festen und Veranstaltungen stets ein gern gesehener Gast, sondern er engagierte sich selbst. So wurde er Teil des Organisationsteams der Feierlichkeiten zur 1200-Jahrfeier der Gemeinde und war Mitglied im Vorstand des VdK. Besondere Akzente für das kulturelle Leben in Kriftel setzte er zuletzt durch seine musikalisch-literarische Rezitationen von klassischen Texten, die großen Zuspruch genossen.

„Wenige kannten das Krifteler Vereinsleben so gut wie Willi Meyer: Er besuchte alle Vereinsveranstaltungen und Jahreshauptversammlungen, er kannte die Stärken und Schwächen der Vereine“, so Bodo Knopf, Vorsitzender des Krifteler Vereinsrings und der Gemeindevertretung. Auch im Partnerschaftsverein war er aktiv, begleiteter die Fahrten nach Airaines und Pilawa Gorna und dokumentierte zuletzt auch die Verschwisterung mit der polnischen Gemeinde. Paul Dünte, von 1994 bis 2006 Krifteler Bürgermeister, kannte ihn seit 40 Jahren: „Er fehlt mir“, sagt der Ehrenbürgermeister. „Aus der beruflichen Zusammenarbeit wurde eine enge Freundschaft. Man konnte sich auf ihn verlassen, aber auch heftig streiten. Er verfügte über intime Kenntnisse über alles, was in Kriftel passierte. Mit seinen Kommentaren in den Medien hat er auch Einfluss auf die Ortspolitik im Kreis genommen. Er war einfach ein feiner Kerl!“

Gespräche bis tief in die Nacht

Sein enger Freund und langjähriger Kollege, der Journalist Ralph Delhees, schrieb einen langen, sehr persönlichen Nachruf für seinen Freund: „Er war keiner der um seine Person großes Aufsehen machte. Er war gerne gesehen als Gesprächspartner, hinterfragte und bohrte nach. Wissensdurst, sachkundige Gespräche bis in die tiefe Nacht, er hatte die politischen Vorgänge Frankfurts und des Main-Taunus-Kreises seit Mitte der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts im Gedächtnis, ein großes Wissen um Landes- und Regionalpolitik und Religion.“

Delhees weiter: „Mit Literatur beschäftigte er sich schon sehr früh. Goethe, Schiller rezitierte er ebenso wie Kleist, Heine und viele andere, was er bei den Rezitationsabenden in Kriftel unter Beweis stellte. Eigentlich wollte er Theaterregisseur werden, erlernte das Buchhändlerfach im renommierten Kramer-Verlag in Frankfurt, landete aber beim Journalismus. ‚Willi‘ wie in Insider, Landräte, Bürgermeister, Politiker jeden Couleurs, Kollegen und Vertreter von Vereinen und Institutionen, nannten, war ein Journalist vom alten Schlag, der immer unterwegs nach Neuem war, dabei half ihm sein reicher Wissensschatz.“

Menschliche Bescheidenheit und Unbestechlichkeit

Der freie Journalist Wilhelm Meyer war über vier Jahrzehnte für die verschiedensten Verlage, Publikationen und Zeitungen im Rhein-Main-Gebiet schreibend und fotografierend bis zuletzt unterwegs. Es gab kaum eine Tages- oder Wochenzeitung, für die er nicht gearbeitet hatte und hierzu zählten verstärkt auch die Krifteler Nachrichten. Für die Krifteler Nachrichten war er in den vergangenen Jahrzehnten der Mann für die Gemeindepolitik, das kulturelle Umfeld und die Vereine. Er war einer, der sich für alles rund um das politische Kriftel stets auf  dem Höhepunkt des Geschehenen befand, so mancher Kommunalpolitiker wollte öfter von Willi Meyer das Neueste erfahren.

Gefragt für wenn er arbeite, gab er oft zur Antwort "für alle zwischen Offenbach und Wiesbaden". Mit öffentlichen Verkehrsmitteln bis in die entlegensten Stadtteile der Region war er unterwegs, oftmals lief er auch nachts nach Frankfurt. Delhees: „Er hat das Gespräch gesucht, spekulierte, um an sein Ziel zu gelangen, recherchierte und hielt Nachfrage. Eines was ihn auszeichnete und heute oft nichts mehr gilt, war die Verschwiegenheit von Dingen, die noch obsolet waren. Wilhelm Meyer hinterlässt eine Lücke als sachlicher, manchmal kritischer und spekulierender Journalist. Uns wird Willi durch seine menschliche Bescheidenheit und Unbestechlichkeit in Erinnerung bleiben.“

Kriftel war sein Feld

Obwohl Wilhelm Meyer in Frankfurt lebte, war er der Gemeinde Kriftel sehr verbunden und dies nicht nur als Berichterstatter, sondern auch mehrere Jahre im Vorstand des VdK und insbesondere als literarischer Rezitator. Er war überall, wo etwas stattfand, für die Gemeinde unterwegs. Angefangen hatte alles mit der großen Obstschau „Obstgarten des Vordertaunus" Mitte/Ende der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts.

In Erinnerung wird er besonders den Krittelerinnen und Krittelern durch seine musikalisch-literarische Rezitationsabende bleiben. Fünf Mal, zuletzt im Juni dieses Jahres - schon gezeichnet von seiner Krankheit - trat er im Rat- und Bürgerhaus mit Poesie und Prosa auf. Auf dem Programm standen Rezitationen aus Werken von Heinrich Heine und Heinrich von Kleist. Gerne Erinnern wird sich der Besucher an die Rezitationen des „Heliand" 2012 und 2013, an Faust I 2014, Faust II mit dem Osterspaziergang 2015 und dem Obstlerspaziergang 2016.

Besonders viel Erfolg hatte er 2017 mit den „Schillerlocken" anlässlich der 225. Wiederkehr der Verleihung der französischen Ehrenbürgerschaft an Friedrich Schiller. Für das kommende Jahr hatte er schon feste Pläne und, wie er in einem der letzten Gespräche sagte, „möchte ich dann etwas langsamer werden". Dietmar Vollmert, Leiter des Krifteler Musikforums und Mitgestalter der musikalisch-literarischen Rezitationsabende, schrieb zum Tode Willi Meyers: „Ruhe in Frieden, Willi, verehrter Bildungsbürger alten Schlages, der Faust I u n d II noch auswendig rezitieren konnte, der mit Heinrich Heine und Friedrich Schiller quasi per Du gewesen ist! Nächstes Jahr wollten wir uns gemeinsam um die Dichtung und Musik der Hochromantik kümmern. Das Exposé hattest Du bereits im Kopf, schon lange, bevor der musikalische Rahmen auch nur angedacht war. Wir haben Deinen Rezitationen mit offenem Munde gelauscht. Wie schön, Dich gekannt und hoch geschätzt zu haben!“

Er hielt nicht viel vom Kürzertreten

Viele Wegbegleiter versuchten Willi in den letzten Monaten zum Kürzertreten zu animieren, doch hiervon hielt er nicht viel. Er hatte einen eisernen Willen wieder auf die Beine zu kommen. Erschüttert vernahmen seine Wegbegleiter nun sein Ableben. Jeder mit dem er zu tun hatte, wird sich gerne an die eine oder andere Begegnung „mit Willi" erinnern. "Er ist einer von uns", wie es einst Main-Taunus-Landrat Jochen Riebel sagte.

Als einen „langjährigen Begleiter, intimen Kenner und Freund des Main-Taunus-Kreises“ hat auch Landrat Michael Cyriax den verstorbenen Journalisten Wilhelm Meyer jetzt gewürdigt. Der freie Journalist habe jahrzehntelang aus dem Kreis und seinen Kommunen berichtet und sei ein „Urgestein“ der lokalen Medienlandschaft gewesen, so Cyriax. Mit Bestürzung hat auch der Landrat des Hochtaunuskreises, Ulrich Krebs, der mit Willi Meyer freundschaftlich verbunden war, die Nachricht vom Tode des Journalisten aufgenommen. Krebs: Ich werde die Gespräche mit ihm vermissen!“

Die Region verliert in Meyer nicht nur einen kundigen Begleiter, der mit vielen politischen Entscheidern, Vereinsvertretern und anderen Akteuren „auf Du und Du“ gewesen ist, sondern auch einen liebenswerten Menschen mit viel Lebensweisheit.

Die Beerdigung findet am 20. September um 12.45 Uhr auf dem Hauptfriedhof in Frankfurt statt.

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