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Schulmuseum: Eine Klasse für sich

Schulmuseum Kriftel: Eine Klasse für sich!

Wie war das noch? Für das Leben, nicht für die Schule lernen wir. Oder war der alte Spruch von Seneca nicht doch anders gewesen oder zumindest andersherum gemeint? Auch dieser Frage widmete sich die gut zwei Stunden dauernde kurzweilige Feier im Foyer des Krifteler Rathauses zum 30-jährigen Bestehen des Schulmuseums. Wolfgang Janecke, Gründer und Museumsleiter, hatte am 8. November anlässlich dieses Jubiläums zum Stelldichein gebeten. Viele junge und ältere Schulinteressierte sind seiner Einladung gerne gefolgt und wurden bestens unterhalten.

Prominente Gäste

Der Jubilar moderierte den Abend schwungvoll, Schuldezernent Wolfgang Kollmeier und Dr. Bernd Blisch, Historiker und Bürgermeister der Stadt Flörsheim, hielten kurzweilige Reden rund um das Thema Schule. Kriftels Bürgermeister Christian Seitz rezitierte launig Gedichte und Balladen von Wilhelm Busch bis hin zu Rudolf Presber. Die Musik durfte auch nicht fehlen: Da begeisterten virtuose Klaviereinlagen von Musikprofessor Matthias Fuchs von der Uni Mainz und die Schulband und der Chor der Weingartenschule unter der Leitung von Carolin Acker.

Als Motto des Abends konnten sich alle Beteiligten auf den Satz. „Schule ist der Spiegel der Gesellschaft“ einigen. Kein Wunder, waren doch alle Anwesenden des Abends, ob jung oder alt, selbst einmal Schüler gewesen. Zu ganz unterschiedlichen Zeiten: mal mehr oder weniger lustig - je nachdem, welcher Zeitgeist gerade durch die Klassenräume wehte. „Auch der Weisheit Lehren muss man mit Vergnügen hören“ rezitierte Christian Seitz humorig Wilhelm Busch.

Schule für alle

Die Weisheit folgte auf dem Fuße in Gestalt von Dr. Blisch, der mit seinem Vortrag über die Reformen der kurmainzischen Fürsten das Publikum aufhorchen ließ. Waren doch schon Ende des 18. Jahrhunderts hochmoderne Ideen einer Simultanschule geboren, in der Schüler aller Konfessionen unterrichtet wurden. Heute würde man salopp Multikulti dazu sagen. Damals stand aber wohl eher die Erziehung zu nützlichen Untertanen für den Staat im Vordergrund.

Inklusive der für damalige Zeiten revolutionären Ideen wie Schulpflicht, deutschen statt lateinischen Gesangsbüchern und dem Begriff der Toleranz. Später wurde daraus Zucht und Ordnung. Eine spannende Epoche des Schulwesens und auch deshalb einer der Schwerpunkte des Schulmuseums.

Jäger und Sammler

Museumsleiter Wolfgang Janecke hatte es nach eigenem Bekunden am Anfang nicht leicht, die heute so zahlreich vorhandenen historischen Ausstellungsstücke zusammenzubringen. Zusammen mit seinen damaligen Mitstreitern Jürgen Nagel und Dietrich Kleipa wurde Hessen nach Schulutensilien aus damaliger Zeit durchforstet. „Die Holzbohlen haben wir  beispielsweise eigenhändig aus einer alten Volksschule in Niederjosbach herausgehebelt“, erinnert er sich in seiner Rede. Ein persönliches Engagement, das sich gelohnt habe. So stehe das Schulmuseum in Kriftel als einzigartig in Hessen da. Wo sonst könne man auf originalen Schulbänken sitzen und Disziplin samt Rohrstock zu Kaiser Wilhelms Zeiten nachempfinden. Eine Zeitreise in die Vergangenheit, der Schulklassen aus ganz Hessen nachkämen, so Janecke.

Museum: Mahnung und Zeitkapsel

Einen zukünftigen Nachfolger für sich hat er noch nicht im Blick, aber einen Wunsch: Das Museum soll für immer bleiben, als Mahnung, als Zeitkapsel und als Erinnerung daran, wie viele Irrwege „die Erziehung zum mündigen Bürger“ schon beschritten habe. Dafür brauche es mehr Mitglieder und Sponsoren. Die 500 Euro, die der Hessische Staatsminister Axel Wintermeyer ihm bereits am Nachmittag im Museum überreicht hat, helfen dabei, die Erinnerung an die Schule im Museum  lebendig zu halten.

„Das Schulmuseum Kriftel zeichnet nach, wie sich die Schule und ihre Bildungsanstrengungen über die Jahrhunderte entwickelt und gewandelt haben. Ich freue mich, dass seine Darstellung jetzt seit 30 Jahren zugänglich ist, und gratuliere herzlich zu diesem Jubiläum“, so der Staatsminister bei der Übergabe.

Die Krifteler hat es gefreut. Sie stellten ihrem Schulmuseum und der gelungenen Zeremonie am Abend mit kräftigem Applaus ein hervorragendes Zeugnis aus. Alexander van de Loo

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