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Hochklassiger Gesang

Sechs Komponisten in drei Sprachen – Vollmert gibt Leitung des Workshops ab

Das Rat- und Bürgerhaus war gut gefüllt. Unter dem Titel: „4 Länder, 3 Sprachen“ hatten Dietmar Vollmert und Britta Jacobus als Leiter des Pfingstworkshops zum Abschlusskonzert geladen. Diesmal wurde das Publikum besonders reich belohnt!

Den Anfang machten zwei Workshop-Neulinge mit Mendelssohn Bartholdy. Cordula Weiß sang „Sei stille dem Herrn“ aus dem „Elias“ und Kristel Neitsov-Mauers kräftiger Sopran intonierte „Jerusalem“ aus dem „Paulus“. Der dritte Beitrag dieses Komponisten kam von der jungen, talentierten Ellen Geisel mit der Heinrich-Heine-Vertonung „Auf Flügeln des Gesanges“. Aus „Die Entführung aus dem Serail“, steuerte sie später noch „Welche Wonne, welche Lust“ bei.

Im Programm standen ebenfalls drei Stücke von Gaetano Donizetti. Zwei davon hatte sich der eigens aus Graz angereiste Silvester Tagger ausgesucht. Seine professionell klingende, weiche Tenorstimme machte „Una furtiva lagrima“ aus „Der Liebestrank“ und das sehnsuchtsvolle „Spirto Gentil“ aus „La Favorita“ zu Höhepunkten dieser Veranstaltung.

Bestens gestimmte Darstellung

Das fast durchgängig zweistimmige Liebesduett „Tornami a dir che m’ami“ aus der Oper „Don Pasquale“ meisterten Britta Stegmann und Klaus Gallenbacher in gewohnt hoher sängerischer sowie darstellerischer Qualität. Ein zweites Duett, „Ich armes Mädchen“ aus Lortzings „Wildschütz“, hatten sich Sonja Außner und Carsten Vollmert vorgenommen. In Kostümen spielten sie Baculus‘ und Gretchens Streit auf hinreißend charmante Art und mit wunderbaren Stimmen.

Die Absolventen des Workshops unterstützen sich regelmäßig auch bei einzeln gesungenen Arien gegenseitig als Statisten. So geschehen bei Sonja Beckmanns Interpretation von Manons Arie „Obéissons“ aus der Oper „Manon“ von Jules Massenet. Drei Herren umschwirrten die leichtbekleidete Sängerin. Das zweite Stück des Komponisten, „Il est doux, il est bon“ aus der Oper „Hérodiade“ interpretierte Britta Stegmann neuzeitlich. Sie schlenderte im Teeny-Outfit Kaugummi kauend auf die Bühne, wo sie ein lebensgroßes Konterfei des Bürgermeisters mit Krone schmachtend ansang. Als sie den echten Christian Seitz erblickte, wendete sie ihre Bewunderung verzückt dem Original zu und fiel zum Schluss anbetend vor ihm auf die Knie. Dass bei all dem Schauspiel der Gesang nicht leidet, bezeugt das Niveau des Workshops.

Viele Highlights

Ein weiteres Highlight war Frauke Link mit ihrer fast schon traumhaften Sopranstimme. Diese ließ sie bei der Arie „Sombre foret“ aus Rossinis „Wilhelm Tell“ mit leichtem Vibrato schweben und brillierte später bei den anspruchsvollen, in große Höhe gehenden Koloraturen als Mozarts Königin der Nacht nicht minder. Dem „Barbier von Sevilla“ war die bekannte Arie „Largo al factotum“ entnommen, bei der Carsten Vollmert als Figaro seinen „Kunden“ auf der Bühne einseifte, um dann mehr zu singen, als zu rasieren. Auch Workshop-Teilnehmerin Antonia Binder beeindruckte. Ob schnell zu singenden Worte, Koloraturen, sehr hohe oder langgezogene Töne – alles meisterten die 12 SängerInnen mit Bravour.

Die Pianisten waren auch diesmal wieder Friederike Wiesner und Norbert Henß, die sich am Flügel abwechselten. Ihre professionelle Begleitung der semi-professionellen Sängerinnen und Sänger trug maßgeblich zum Gelingen einer außergewöhnlich schönen Veranstaltung bei.

Vollmerts letzter Workshop

Dieses Abschlusskonzert war in zweierlei Hinsicht etwas Besonderes: Zum einen durch eine herausragende sängerische und darstellerische Leistung. Zum anderen aber auch dadurch, dass es Dietmar Vollmerts letzter Workshop war. Er übergibt das von ihm vor 15 Jahren geschaffene „Baby“ vertrauensvoll in die Hände von Hans-Georg Dechange, dem langjährigen Leiter von Akademie und Kammerchor an der Musikschule Hofheim sowie Vorstandsmitglied der Mendelssohn-Gesellschaft Main-Taunus. Der „Neue“ saß schon im Publikum und wurde den Kriftelern bei dieser Gelegenheit gleich vorgestellt. Er wird künftig gemeinsam mit Britta Jacobus den Pfingst-Workshop leiten.

Als Zugabe versammelten sich alle Teilnehmer und Verantwortliche noch einmal auf der Bühne und sangen unter der Begleitung von Friederike Wiesner am Flügel und dem Dirigat von Norbert Henß „Dal tuo stellato soglio“ aus Rossinis Oper „Mosè in Egitto“. Dieses Chorstück füllte den Raum mit einem satten, vollen Klang, wobei die geschulten, aber doch zurückgenommenen Stimmen für ein echtes Gänsehautgefühl sorgten!

Christine Diegelmann

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