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DAS passiert in Kriftel

Kriftler Wirtschaftssenioren sehr aktiv

2017: Krifteler Wirtschaftssenioren betreuten erfolgreich 40 Projekte

Seit 2004 bietet Hans Bergmann (74) im Rat- und Bürgerhaus einmal im Monat eine qualifizierte Beratung an: Ob Existenzgründung, Firmenübernahme, Job-, Studiums- oder Praktikumssuche, Karriereplanung und Unternehmenssicherung – der ehemalige Bankdirektor kann aus einem reichen Erfahrungsschatz schöpfen. Als „Pate“ möchte er anderen Menschen helfen, beruflich auf die Beine zu kommen. In den letzten 14 Jahren hat der Wirtschaftssenior knapp 550 Beratungen durchgeführt.

Im Gespräch mit dem Ersten Beigeordneten Franz Jirasek bedankte sich Bergmann jetzt dafür, dass die Gemeinde ihn bei seiner ehrenamtlichen Aktivität unterstützt. „Ich gebe den Dank zurück“, so Jirasek, der im Rathaus auch für die Wirtschaftsförderung zuständig ist. „Ich bin froh, dass wir dieses Beratungsangebot in Kriftel anbieten können.“ Dass großer Bedarf besteht, macht die Nachfrage deutlich: Nicht nur Krifteler, sondern Menschen aus der ganzen Region melden sich für Beratungsgespräche bei Bergmann an.

Starke Beratung zu zweit

Im Gespräch mit dem Ersten Beigeordneten hatte sich der Krifteler „Wirtschaftssenior“ zu Beginn des vergangenen Jahres einen Nachfolger gewünscht. Zehn Jahre lang war Bergmann beim Verein „Wirtschaftspaten“ engagiert, den er beim Kreis mitaufbaute. In Schulen führte er Planspiele zum Thema „Wie gründe ich ein Unternehmen“ durch.

Langsam wollte er sich nun nach Unterstützung umsehen. Bergmann: „Ich hatte mir vorgestellt, dass sich die Person mit mir die Aufgabe der Wirtschaftsberatung zunächst teilen könnte. In der Presse wurde berichtet – und drei Bewerber meldeten sich.“ Im Falle des Krifteler Bewerbers Rudolf Jäger (66) hat Bergmann dann gleich gemerkt: „Das passt!“ Und so bildeten beide schon 2017 ein gutes Team.

„Ich habe viel Freude daran, meine im Berufsleben gemachten Erfahrungen an Ein- oder Umsteiger weiterzugeben“, betont Jäger, der jetzt zum Gespräch mit Franz Jirasek mit ins Rathaus gekommen war. Der 66-Jährige ist studierter Maschinenbauingenieur und war zuletzt als Geschäftsführer an der Uniklinik Frankfurt in leitender Position tätig. „Ich hatte noch Luft und Zeit, zuhause für andere Menschen zu recherchieren“, sagt er und betont: „Die Zusammenarbeit mit Herrn Bergmann ist toll. Wir ergänzen uns gut, können uns die Bälle im Beratungsgespräch zuspielen.“ Jeder habe da seinen ganz eigenen Blick auf die Pläne der Klienten. Bei den Beratungsgesprächen sind immer beide anwesend.

Symbolische Entlohnung

2017 haben sie für ihre Beratungstätigkeit im Krifteler Rathaus 1.416 Stunden bei der Betreuung von 40 Projekten eingesetzt, 75 Prozent davon wurden erfolgreich abgeschlossen. Bei einem Aufwand von acht Stunden pro Arbeitstag ergibt sich ein Aufwand von 177 Tagen. „Nahezu ein Halbtagsjob“, staunte Jirasek. Er dankte den Kriftelern für ihr Engagement und stellte fest: „Es ist wirklich immens, was Sie leisten!“

Das Beratungsangebot wird seit Jahren von Menschen genutzt, die aus der gesamten Region kommen. Es hat sich herumgesprochen, dass Bergmann über ein großes Netzwerk verfügt. Auch die Arbeitsagenturen verweisen regelmäßig Kunden an den erfahrenen Manager. Wer in die Sprechstunde kommt, kann sein Anliegen schildern, ohne dass Kosten anfallen. „Erst wenn wir richtig einsteigen und den Menschen oder die Firma längerfristig beraten, berechnen wir eine kleine Aufwandsentschädigung“, so Jäger. Der Betrag von 20 Euro pro Stunde sei „symbolisch“ zu sehen, damit klar wird, dass es sich hier nicht um eine Unterstützung handelt, die mal eben nebenbei erfolgt. „Der Dank der Menschen ist sowieso der schönste Lohn“, betont Bergmann. „Mir schreiben heute noch Leute, die ich vor Jahren beraten habe.“

Eine Lüge schmerzt für immer

Bergmann und Jäger erstellen Businesspläne, führen Analysen durch, vermitteln Kontakte zu Betrieben, bereiten Gespräche mit Banken in Bezug auf Finanzierungen vor oder helfen, Rentabilitätsrechnungen aufzustellen. Aber auch ganz einfache, grundlegende Dinge, wie das richtige Formulieren eines Bewerbungsschreibens, gehören dazu. Immer wieder müssen die Berater aber auch große Hoffnungen, beispielsweise in eine Unternehmensidee, enttäuschen, wenn sie sich als nicht umsetzbar erweist. „Oft weichen die Vorstellungen wie auch die Erwartungen der Klienten erheblich von der Realität ab.“ So sei viel Geduld, Überzeugungskraft und Einfühlungsvermögen vonnöten – oft schon bevor die Beratung richtig starten kann.

„Oft müssen wir den Ratsuchenden auch die Wahrheit sagen“, so Bergmann, dafür bekannt, mit realistischen Urteilen nicht hinterm Berg zu halten. „Diese Wahrheit kann unangenehm sein. Sie tut aber nur einmal weh, eine unaufrichtige Beratung kann dagegen fatale Folgen haben und für immer schmerzen.“ Jeder wolle Ehrlichkeit, doch nicht alle verkraften sie auch. „Ich möchte den Menschen, die mich um Rat fragen, neutral beraten und ihnen rechtzeitig die Augen öffnen.“ Immer wieder gibt es Fälle, wo Klienten die Beratung abbrechen oder Tipps nicht umsetzen.

Archäologe fährt jetzt erstmal LKWs

Beide berichteten Jirasek von kniffligen „Fällen“ des vergangenen Jahres: darunter eine Kosmetikerin, die prädestiniert für eine freiberufliche Tätigkeit gewesen sei, die aber plötzlich der Mut für den großen Schritt verließ. Einem Archäologen aus Syrien habe man geraten, dank seines LKW-Führerscheins zunächst als Fahrer Geld für den Lebensunterhalt der Familie zu verdienen und in der Zwischenzeit sein Deutsch zu verbessern, um später im erlernten Beruf arbeiten zu können. „Wir versuchen mit vielfältiger Hilfe, Hürden zu nehmen. Doch bewähren müssen sich die Menschen letztlich selbst“, betonten die engagierten Wirtschaftssenioren. Ihr Motto: „Ein Weg entsteht, indem man ihn geht“, eine Lebensweisheit, die der chinesische Philosoph Chuang-Tzu niederschrieb.

Hans Bergmann und Rudolf Jäger bieten jeden zweiten Dienstag im Monat von 16 bis 19 Uhr eine Wirtschaftsberatung im Rat- und Bürgerhaus Kriftel an. Beratungstermine können unter 06192/43622 (Bergmann) oder 06192/46171 (Jäger) oder per Mail unter wirtpatekri@t-online.de und rudo.jaeger@gmail.com vereinbart werden.

 

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