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Foto-Rätsel im Rathaus

Fotograf Unrein spielt mit den Betrachtern   „Ich sehe was, was Du nicht siehst“

Muss eine Fotografie immer eine Aussage haben oder Motive klar erkennbar abbilden? Nein, sagen Stephan Unreins abstrakte Bilder. Warum es manchmal ganz schön sein kann, Farben und Formen für sich sprechen zu lassen, davon erzählen seine Fotografien. Am 16. Januar konnte Unrein seine erste Ausstellung auf Einladung des Krifteler Kulturforums im Rat- und Bürgerhaus eröffnen. Wer sich auf seine künstlerischen Fotografien einlässt, begibt sich in eine Schule der Wahrnehmung.

Stephan Unrein gibt mit seinen Fotografien dem eigentlich Unsichtbaren ein Forum, lässt es sichtbar werden. Nachdem er beim Blick auf seine Fotos immer wieder von Betrachtern gefragt wurde „Was ist das?“ entstand der Titel der Ausstellung. Dabei liegt für Unrein die Herausforderung beim Fotografieren gerade darin, interessante Motive aus der Realität herauszufiltern. Der fotografische Blick auf das Motiv entscheide, so Unrein. Das kann zum Beispiel die Farbe oder die Struktur eines Baumstamms, ein Gewässer oder eine Häuserfassade sein. Eine Makroaufnahme von einer verwitterten Oberfläche, ein Ausschnitt aus der Architektur eines Gebäudes, bestehend aus verschiedenen Formen, Flächen und Farben. Bei abstrakter Kunstfotografie kämen außerdem noch weitere Elemente hinzu, die ihm wichtig seien: Licht und Schatten. Die Freiheit des Fotografen sei es, das Bild so zu arrangieren, sodass eine neue Realität, ein anderer Sinn entstehe, findet er.

Raum für Assoziationen

In vielen seiner Bilder sieht der Betrachter den künstlerischen Blickwinkel des Fotografen. Mit feinem Gespür für die malerische Dichte prüft Unrein unter kompositorischen Gesichtspunkten mögliche Variationen. Und entwickelt schließlich beispielsweise aus der Licht-Schatten-Camouflage eines Hochhausfensters eine fließende Formsprache ähnlich der von Künstlern der 50er/60er Jahre - wie Fritz Winter oder Ernst Wilhelm Nay - geschaffen. So  weisen die Werke von Stephan Unrein einen hohen Grad an Abstraktion auf und bieten Raum für eine Vielzahl malerischer Assoziationen. Nicht der Gegenstand ist wichtig, sondern dessen Strukturen, Farben, Linien und Formen. Das gibt dem Betrachter Rätsel auf.

Anders ausdrucksstark verhält es sich mit Unreins gegenständlichen Motiven. Da wird er auch schon mal zu geduldigen „Jäger“ mit der Kamera im Anschlag. „Bei dem Motiv ‚Libellen‘ habe ich drei Stunden gewartet, bis der magische Moment da war und ich die Kamera auslösen konnte“, so der Fotokünstler.

Meist gibt es keine eindeutige Bildaussage, daher wirken seine Fotos auf viele Menschen ganz unterschiedlich. Und das macht sie so einzigartig: Bilder, in denen jeder zunächst etwas anderes sieht, wirken besonders inspirierend. Das sahen auch die zahlreichen Besucher der Vernissage so. Denn die Fotografien von Stephan Unrein, der seit 1994 in Kriftel lebt, und den Blues liebt, wie er auf seiner Gitarre spielend in der Ausstellungseröffnung gekonnt beweist, zeigen auch bei den gegenständlichen Bildern ungewohnte Perspektiven aus fotografischer Sicht.

Gesteine unter dem Mikroskop

Stephan Unrein wurde 1957 in Rodgau-Dudenhofen geboren und studierte nach dem Abitur zunächst Pädagogik und absolvierte seinen Zivildienst in einem Kindergarten für behinderte Kinder. Später wechselte er in eine Ausbildung zum Steinmetz/Steinbildhauer. Aber auch hier fand er nicht das, was er suchte und startete erneut mit einer Ausbildung zum Geologischen Präparator. In diesem Bereich arbeitet er seit 1996 an der Universität Karlsruhe und pendelt wöchentlich zu seinem Arbeitsplatz. Nach und nach entwickelte sich parallel dazu seine Leidenschaft zur Fotografie.

Besonders fasziniert ist er dabei von Details im Alltäglichen, die durch den Ausschnitt zum Besonderen werden. Da sieht der fragende Besucher Fotos, die - durch das Mikroskop vergrößert – Einblicke in die Struktur von Gesteinen und Mineralien ermöglichen.

Im Gespräch mit dem Künstler werden aus vielen Fragezeichen dann doch noch dicke Ausrufezeichen. „Wahnsinn, hätte ich nicht gedacht, aber jetzt sehe ich es auch“, sind oft gehörte Aussagen. Dabei ist Stephan Unrein gar nicht auf der Suche nach Motiven,  sondern er findet sie (oder finden sie ihn). Alexander van de Loo

Die Ausstellung „ Was ist das?“ ist noch bis zum 6. Februar zu den Öffnungszeiten des Krifteler Rafthauses zu sehen: Montag bis Mittwoch von 8 bis 16 Uhr, Donnerstag von 8 bis 18 Uhr, Freitag von 8 bis 12 Uhr. Die Fotografien kosten zwischen 70 und 150 Euro.

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