Zeitung auf Schreibtisch - Aktuelles

Immer informiert

DAS passiert in Kriftel

Café Pause: Neuer Blickwinkel

Café Pause öffnet wieder am 9. Juli

Manchmal fließen Tränen im Café Pause. Wenn der Druck der Pflegesituation, die Erschütterung über die schwere Erkrankung des Lebenspartners oder der Eltern übermächtig wird. Und niemand da ist, mit dem man im Alltag darüber sprechen kann. Endlich gibt es jemanden, der in einer ähnlichen Situation ist, der einfach zuhört, der vielleicht einfach nur wissend nickt, der bestärkt und nicht fortschiebt oder verharmlost.

Meist möchte der Pflegende, gerade gegenüber dem Kranken, Trauer und Verzweiflung nicht zeigen, immer wieder neuen Lebensmut geben. Die Angst, sich vielleicht bald von einem geliebten Menschen verabschieden zu müssen, wird verdrängt, Emotionen unterdrückt. „Doch was sich ansammelt, muss heraus, sonst bleibt der Pflegende langfristig selbst auf der Strecke“, weiß Gabriele Kortenbusch, Seniorenberaterin im Krifteler Rathaus.

„Einen Angehörigen zu pflegen, bringt einen an seine Grenzen“, weiß sie aus ihrer täglichen Arbeit in der aufsuchenden Seniorenberatung. „Aber oft bringt ein anderer Blickwinkel neue Impulse und eine Entspannung für die Psyche.“ Sie weiß, wie groß der Gesprächsbedarf unter Betroffenen ist. Das war vor einem Jahr Anlass für die Seniorenberatung Kriftel und das Familienzentrum Kriftel, das Treffen „Café Pause“ im Kursana Domizil zu begründen.

Alle zwei Monate sind hier seitdem Pflegende zum zwanglosen Gedanken- und Erfahrungsaustausch eingeladen – egal ob diejenigen einen Angehörigen umsorgen, ob zuhause oder im Pflegeheim, oder ob sie ich gar um einen nahestehenden Menschen in der Nachbarschaft kümmern. Nach der Sommerpause wird es das Treffen monatlich, und zwar (mit einer Ausnahme) jeden zweiten Montag im Monat, geben.

Geschützter Platz, um Sorgen und Nöte loszuwerden

Kortenbusch: „Wir möchten pflegenden Angehörigen eine kurze Auszeit verschaffen, einen geschützten Platz bieten, Sorgen und Nöte loszuwerden, sich auszusprechen und mit Menschen zusammen zu sein, die ähnliches erleben. Allein das hilft schon.“ Auch wenn man die Situation grundsätzlich nicht ändern kann, hilft es ungemein, sie einmal aus einer ganz anderen Perspektive zu sehen.

„Über etwas frei zu sprechen, nimmt viel Last und erleichtert. Schließlich müssen die Pflegenden auch an sich denken, immer wieder versuchen, Kraft zu tanken, um weiter machen zu können“, sagt die Seniorenberaterin, die sich freuen würde, wenn noch mehr Menschen sich in das Café „trauen“. Hemmungen und Schamgefühle müssen oft erst überwunden werden, weiß sie, auch das Gefühl, den Partner oder den Elternteil nicht alleine lassen zu können. „Aber auch hier kann man eine professionelle Hilfe und Beaufsichtigung für den Kranken erhalten.“

Unterstützt wird Gabriele Kortenbusch bei der Anleitung der Treffen von Susanne Peschke, Leiterin der sozialen Betreuung, und immer wieder auch von Kerstin Simon, Trainerin für Achtsamkeit und Resilienz mit dem Schwerpunkt „Einfühlsame Kommunikation“, die die Treffen moderiert und auch andere Angehörigengruppen leitet. Sie alle können nicht nur gut zuhören und trösten, sondern auch mit fachlichen Tipps, Adressen und Ansprechpartnern weiterhelfen, zum Beispiel, wenn die Pflege der dementen Mutter zuhause immer schwerer fällt und ein Platz in einer guten Pflegeeinrichtung gesucht wird.

Kerstin Simon  war selber 12 Jahre lang verantwortlich für Ihre kranke Mutter. „Das war eine schwere Zeit, aber wir haben auch schöne Momente gehabt“, erzählt sie. Bei letzten Treffen im „Café Pause“ Anfang Mai hat sie genau gespürt, wer wie viel über seine Situation sprechen möchte und den vier Gästen, die diesmal kamen, eine einfühlsame und wohltuende  „Sprech-Atmosphäre“ mit Verbindungen und „Brücken“ geschaffen. Alle erzählten nach der Reihe von den Schwierigkeiten ihrer Situation – und gingen nach eineinhalb Stunden sichtlich erleichtert und ein wenig befreit von ihren Nöten und Ängsten wieder nach Hause. „Mal für kurze Zeit loslassen können und aus einer scheinbar ausweglosen Situation heraustreten, bringt neuen Mut für die Betroffenen“, so Kortenbusch.

„Es ist normal, dass man mal sauer wird“

Eine Teilnehmerin beeindruckte beispielsweise durch ihre positive Lebenseinstellung und die mutige Herangehensweise an die zunächst ausweglos erscheinende Diagnose, die ihr Mann nach schwerer Herzerkrankung erhielt: Sie hat die Pflegesituation angenommen und konnte den anderen zeigen, wie viel geschafft und im Alltag verbessert werden kann – wenn man sich nicht unterkriegen lässt. „Wir haben viel mehr erreicht, als uns zugetraut wurde“, sagt sie.

Ihre Sitznachbarin im „Café Pause“ berichtete: „Niemand meines Alters ist in derselben Situation!“ Während sich Freunde und Bekannte in der aktuellen Lebensphase mit den Aktivitäten und Schulproblemen ihrer Kinder befassen, „kämpft“ sie mit den Launen ihrer dementen Mutter. „Es ist ganz normal, dass man auch mal sauer wird“, beruhigt sie der einzige Mann in der Runde, der regelmäßiger Gast des Café Pause ist und der sich seit Jahren ebenfalls um seine demente Mutter kümmert, die mittlerweile in einer Vorzeige-Einrichtung lebt. Er besucht sie fast täglich.

„Ich habe von unserem letzten Treffen viel mitgenommen, an Sätze und Aussagen, an die ich in besonders belastenden Momenten immer wieder denke“, so eine Teilnehmerin. Sie alle haben gemerkt: Sie sind nicht allein! Und der Vorschlag von Susanne Peschke, sich jeden Abend die kleinen, kurzen schönen Momente in einem Tagebuch zu notieren, wurde als guter Impuls mit nach Hause genommen: „So komme ich mit meiner beruflichen Tätigkeit in der Seniorenpflege zurecht - und bei Bedarf kann ich immer wieder zu vielen schönen Momenten zurückblättern, wenn mir danach ist.“

Das „Café Pause“ öffnet wieder am Montag, den 9. Juli, von 15.30 bis 17 Uhr in den Räumlichkeiten des Kursana-Pflegeheims St. Sebastian, Am Freizeitpark 2. Info/Anmeldung: Gabriele Kortenbusch, Telefonnummer 06192/4004-49, gabriele.kortenbusch@kriftel.de.

Ab August öffnet das Café Pause monatlich, jeden zweiten Montag (mit einer Ausnahme im Oktober): und zwar am 13. August, 10. September, 15. Oktober, 12. November und 10. Dezember.

Cookies optimieren die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.