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Ausweg für Langzeitarbeitslose

Ein Weg aus der Langzeitarbeitslosigkeit: sich von der Masse abheben

2544 Langzeitarbeitslose gibt es zurzeit im Main-Taunus-Kreis, das teilt die Arbeitsagentur Bad Homburg mit. Dass die Zahl zurückgeht, hat sicher auch mit dem Projekt des Job-Centers Main-Taunus „Integrationscoaching zum Wiedereinstieg in den Beruf“ zu tun. Die Projektleiter, Betriebswirtin Gisela Martin und Diplompsychologe Dr. Fritz Dinges, hatten zu einem Runden Tisch eingeladen: „Unser Ziel ist es, eine Diskussionsrunde –  vielleicht sogar für Jahre – auf die Beine zu stellen, in der ein offener Austausch zwischen Langzeitarbeitslosen, Unternehmen und Politik steht.“

Die Auftaktveranstaltung zum Thema „Langzeitarbeitslosigkeit – Fluch oder Chance?“ im evangelischen Gemeindezentrum in Kriftel war ein Erfolg, wie die Organisatoren fanden: Die Projektmanager diskutierten mit Unternehmen, Politikern und die Langzeitarbeitslosen. Mit am Tisch: Johann Baron/Kreisbeigeordneter/Leiter Sozialamt, Petra Hautzel-Litzinger/Jobcenter MTK, Matthias Heislitz/Bäckerei Heislitz, Franz Jirasek/Erster Beigeordneter Gemeinde Kriftel, Thorsten Kolar/Wirtschaftsförderung Hofheim, Silvia May/Tropica Kriftel, Sandra Parobeck/Polar Mohr, Susanne Peschke und Jutta Vortkamp vom Kursana Domizil Kriftel.

„Die Wirtschaft braucht die Arbeitskräfte. Die gibt es, sie sind existent, und es gehört oft nur einen kleinen Schubs dazu, sowohl Arbeitgeber wie auch Arbeitnehmer in ein Boot zu bringen“, hieß es in der Einladung zur Veranstaltung. „Oft stehen wir bei der großen Hürde Vorurteile, und die eine Seite weiß nicht, was die andere Seite empfindet. Wir suchen eine Chance zu beweisen, wie wichtig wir für Unternehmen sein können“, so die Langzeitarbeitslosen, die in dem Projekt „Hofheimer Fabrik“ seit 2015 unter Leitung der Coaches gemeinsam lernen. Finanziert wird das Projekt vom Main-Taunus-Kreis.

Ein Schmerz kann zur Chance werden

Projektleiterin Gisela Martin erklärt den Titel der Veranstaltung so: „Der ‚Fluch‘, das sind die Vorurteile, andere Behandlung, selbsterfüllende Prophezeiung, die Betroffenen glauben es bald selbst. Die ‚Realität‘ ist, das ein Mensch arbeitslos geworden ist durch Pflege von Angehörigen, Krankheit, Insolvenz eines Arbeitgebers. Das ‚Ergebnis‘: Resignation, Selbstwertgefühl liegt am Boden. Die ‚Chance‘: Es tut weh, mit dem Ergebnis, dass die Betroffenen bereit sind, aus diesem Teufelskreis auszubrechen und mitzumachen. Wir versuchen konkrete Ziele für den Einzelnen finden – realistisch, erstrebenswert, messbar. Er muss dran glauben können, dann einen Plan erstellen mit kleinen überschaubaren Schritten zum Ziel.“

Die Unternehmen brauchen die richtigen Mitarbeiter, die Langzeitarbeitslosen einen Job. Martin: „Es gilt beide Seiten zusammen zu führen, reden, verstehen, sich aufeinander einlassen.“ Ziel der Veranstaltung sei es, zu klären: Wie stellt sich der Unternehmer den zukünftigen Mitarbeiter vor? Was erwartet er von seinem Unternehmen?

Deutlich wurde: Die Chemie muss stimmen, die Bewerber müssen wieder an sich selbst und ihre Fähigkeiten glauben. Die Bewerber sollten offen sein für Neues, der Mitarbeiter muss in der Lage sein, sich in das Team zu integrieren.

Auffallen ist immer gut

Aufzufallen, um sich von der Masse abzuheben, das könnte erfolgreich sein. Projektleiter Fritz Dinges berichtete von einem Piloten, der von einer Fluggesellschaft abgelehnt wurde und sich tagelang vor der Firmenzentrale aufhielt – bis er Gesprächsthema war. Wer in einem Pflegeheim arbeitet, der sollte vorher wissen, ob er sich vorstellen kann, alten Menschen bei der Toilette zu helfen oder damit umzugehen, dass sie viele Male am Tag dasselbe sagen, so Jutta Vortkamp, Leiterin des Seniorenpflegeheims Kursana Domizil.

Deutlich wurde gemacht, dass man gerade bei großen Firmen, eher an den „messbaren Anforderungen“ scheitert. Kleinere Firmen können flexibler sein. „Brust raus, Kopf hoch: man muss sich verkaufen“, lautet der Tipp von Matthias Heislitz. Der Erste Beigeordnete der Gemeinde Kriftel, Franz Jirasek, begrüßt das Projekt, in dem wichtige Kompetenzen in Rollenspielen geübt werden: „Es ist wichtig, dass das Selbstbewusstsein der Langzeitarbeitslosen gestärkt wird. Denn der Einstellende muss erkennen: Die Initiative und die Motivation des Bewerbers ist da.“  

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