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70 Jahre Ehe

70 Jahre Ehe: Maria und Heinrich Ungeheuer feierten die Gnadenhochzeit

Dass es so etwas noch gibt: 70 Jahre in guten wie in schlechten Zeiten, sieben Jahrzehnte miteinander durch dick und dünn. Wenn man sich vor Augen führt, wie es im Allgemeinen in Deutschland um die Ehe bestellt ist, wird man angesichts der Gnadenhochzeit dieses Ehepaars fast ein wenig ehrfürchtig. Denn das durchschnittliche Ehepaar in Deutschland geht nach 15 Jahren getrennte Wege – meist nach einer vorangegangenen Trennungszeit von einem Jahr. Die Frauen waren zu diesem Zeitpunkt 43 Jahre und neun Monate alt, ihre Männer gut drei Jahre älter, wie das Statistische Bundesamt  in Wiesbaden über  Zahlen aus dem Jahr 2017 berichtete.

Das „Wir“ gewinnt

Maria und Heinrich Ungeheuer  sind  87 und 92 Jahre alt und seit 1949 verheiratet. Am Donnerstag, den 18. April, wurden sie im Kreise ihrer Verwandten und Freunde gebührend gefeiert. Edelbert Hoss, Mitglied des Gemeindevorstands, vertrat Bürgermeister Christian Seitz und den Ersten Beigeordneten Franz Jirasek, die beide verhindert waren: Er gratulierte im Namen von Gemeinde, Kreis und Land, übergab ein Geschenk und hielt eine dem Anlass angemessene Rede. Wichtig war ihm in diesem Zusammenhang, das „Wir“ in den Vordergrund zu stellen: „Sie dachten und handelten immer im Sinne von ‚Wir‘, anstatt das eigene Ego zu hätscheln.“ Gesungen wurde kräftig: „Großer Gott, wir loben Dich“ sowie „Segne Du Maria“. Das Vaterunser durfte nicht fehlen. Pfarrer Helmut Gros (St. Vitus) brachte es mit „einer kleinen Kommunionsfeier für das Paar“ auf den Punkt.

Kriftel – ein Leben lang

Die beiden Jubilare haben eine Menge erlebt, immer zusammen und immer in der Obstbaugemeinde am Taunus: Heinrich und Maria Ungeheuer sind in Kriftel aufgewachsen und zur Schule gegangen, und sie haben ihre Heimatgemeinde nie für längere Zeit verlassen. Maria Ungeheuer, geborene Friedrich, stammt aus einer Krifteler Familie. Ihr Mann ist zwar in Bad Soden-Neuenhain zur Welt gekommen, doch die Eltern zogen dann mit ihrem einjährigen Sohn in die Obstbaugemeinde, um hier Landwirtschaft zu betreiben.

Durch die damalige Volksschule (heute Haus der Vereine) kannten sich Maria und Heinrich Ungeheuer schon als Kinder, doch aufgefallen ist Maria dem Heinrich erst nach der Schulzeit beim Maskenball der Feuerwehr in Kriftel, als sie ihm als stolze „Spanierin“ auf - und gefiel. „Das war eine dolle Sache, damals bei der Feuerwehr“, erinnert sich Heinrich Ungeheuer. Der Entschluss zur Hochzeit kam schnell wie die Feuerwehr: In St. Vitus ist das Paar vom damaligen Pfarrer Wolf getraut worden. Auch die gemeinsame Arbeit hat die beiden zusammengeschweißt. Und von dieser gab es genug auf Hof und Feld. Bis zu 300 Obstbäume besaß Heinrich Ungeheuer, in manchen guten Jahren fielen allein 100 Zentner Kirschen an. Bei der Ernte halfen dann die ganze Familie und Bekannte mit. Auch die Ende 2018 verstorbene Tochter Renate und Schwiegersohn Heinz-Günther Eberth, lange Vorsitzender des Krifteler Karneval-Klubs (KKK), waren dabei.

Durch Gesang verbunden

Später hat Heinrich Ungeheuer in der ehemaligen Druckerei Woeller im Gewerbegebiet Kriftel gearbeitet. Doch die Arbeit an der Lackiermaschine war wegen der eingesetzten Chemikalien ungesund. Auf ärztliches Anraten suchte und fand der Maschinenführer eine neue Beschäftigung im Krankenhaus Höchst, wo er bis zum Eintritt in den Ruhestand als Pförtner arbeitete. Nebenher betrieb Heinrich Ungeheuer mit seiner Frau weiter Landwirtschaft. „Das Gemeinsame hatte immer Vorrang, das ist vielleicht das Geheimnis einer langen Ehe“, betont der Schwiegersohn. Was beide heute noch leidenschaftlich miteinander verbindet, ist der Gesang: Einmal die Woche werden im Kursana Domizil Kriftel die Stimmen erhoben. Mögen sie noch lange zu hören sein.

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