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„Der Arbeitskreis funktioniert in vielen Bereichen wie eine Firma“

31.03.2016

Arbeitskreis Flüchtlinge - Organisationsteam

Der Arbeitskreis Flüchtlinge "Willkommen in Kriftel" unterstützt Flüchtlinge und Asylsuchende in Kriftel und engagiert sich für deren Integration. Er wurde im Juni 2014 auf Initiative der Katholischen Gemeinde St. Vitus, der Evangelischen Auferstehungsgemeinde und der Freien evangelischen Gemeinde Main-Taunus gemeinsam mit dem Familienzentrum und dem Ausländerbeirat gegründet. Die Arbeit des Arbeitskreises (AK) ist in Teams organisiert. Wir stellen jedes Team in einer Serie vor.

"Der Arbeitskreis funktioniert in vielen Bereichen wie eine Firma", sagt Marion Hein, Mitglied des Organisationsteams des Arbeitskreises. "Nur, dass die Helfer in fünf Sekunden kündigen können", ergänzt sie und lacht. Sie macht damit deutlich: Nicht nur die Flüchtlinge, auch die Helfer müssen unterstützt und organisiert werden.

Sechs Krifteler gehören dem Organisationsteam zurzeit an, das sich um alle koordinativen, verwaltenden und strategischen Aufgaben sowie Planungen, Finanzen und Spenden, Beantragung von Zuschüssen, die Kommunikation nach innen und außen, die Teilnahme an Sitzungen der Gemeinde, des Kreises oder der Asylarbeitskreise und noch vieles mehr kümmert. In Grundsatzfragen wird das Organisationsteam, das einmal im Monat tagt, durch den Lenkungsausschuss beraten, dem Vertreter der Kirchengemeinden, des Familienzentrums, des Ausländerbeirates sowie der Gemeinde Kriftel angehören.

Ehrenamt und Privatleben trennen

Marion Hein bezeichnet sich selbst als das "Sekretariat" des Arbeitskreises: Sie ist diejenige, die regelmäßig die E-Mails liest, die an den Arbeitskreis geschrieben werden, sie hört den Anrufbeantworter ab und leitet Anfragen an die zuständigen Teams weiter.

Anfangs, als "nur" 40 Flüchtlinge in der „alten“ Gemeinschaftsunterkunft in der Raiffeisenstraße zu betreuen waren, haben viele Helfer noch ihre privaten E-Mail-Adressen und Telefonnummern herausgegeben, erzählt sie. Das habe man im vergangenen Herbst geändert: "Deutlich wurde, dass eine persönliche Betreuung manche Helfer zu sehr fordert und bei mittlerweile fast 160 Flüchtlingen auch nicht mehr möglich ist. Schließlich arbeiten alle ehrenamtlich und haben auch noch ein Privatleben.“ Das "Patenprinzip" wurde daher aufgegeben. "Jetzt bieten wir den Flüchtlingen regelmäßig Sprechstunden an", sagt sie. So werden nicht nur die Helfer vor Überforderung geschützt, auch die Flüchtlinge werden darin unterstützt, selbstständig zu werden. „Nach der Anerkennung in Deutschland müssen sie innerhalb einer relativ kurzen Zeit weitestgehend selber klarkommen.“

Hein selbst wendet etwa 15 bis 20 Stunden in der Woche für den Arbeitskreis auf. Zuletzt war sie Projektmanagerin bei der Post. Als sie vor einem Jahr etwas früher in Rente ging, hat sie eine sinnvolle Aufgabe vor der Haustür gesucht. Heute steht sie für das Interview bereit und spricht stellvertretend für ihre Kollegen: Eine Entlastung für die, die sich zusätzlich zu ihrer Berufstätigkeit engagieren.

Mehrsprachige Flyer

"Ich mache den ganzen Schriftverkehr, schreibe den Newsletter, Flyer für Flüchtlinge und den 'Leitfaden für Ehrenamtliche', ich verwalte die Helferliste, informiere die Helfer über Termine und Fortbildungen, führe bei unseren regelmäßigen Teamsitzungen Protokoll und besorge mehrsprachiges Infomaterial, dass ich an Helfer wie Flüchtlinge verteile“, erzählt sie.

Gerade hat sie einen Flyer zugeschickt bekommen, den ein Lions Club gleich in mehreren Sprachen herausgegeben hat und der den Helfern und den Flüchtlingen nützlich sein kann. Das Thema: "Orientierungshilfe - Leben in Deutschland". Erklärt wird, wie das Leben in Deutschland funktioniert, die Mülltrennung oder das große Thema Pünktlichkeit. "Die Helfer merken immer wieder: Vieles, was für uns selbstverständlich ist, ist den Flüchtlingen fremd", berichtet sie.

Durch Engagement in Kriftel „ankommen“

Marion Hein liebt die Arbeit für den Arbeitskreis sehr. "So hätte ich gerne im Berufsleben gearbeitet", sagt sie. Erst seit sie sich hier engagiere, sei sie in der Gemeinde Kriftel, in der sie schon
15 Jahre wohne, "richtig angekommen", habe "tolle Menschen" kennengelernt.

Dazu gehören ihre Kollegen im Organisationsteam: die AK-Gründungsmitglieder Doris Etter, Tanja Seitz, Pastor Artur Wiebe und Stephan Frisch. Neu mit dabei ist Amelie Steinhauer. Die Juristin Doris Etter gibt Sprachkurse, ist im „Team Recht“ und kümmert sich um alles Finanzielle. Erzieherin Tanja Seitz leitet das "Team Kleiderkammer" und das "Team Kinder und Jugendliche", kümmert sich um Einschulungen oder Freizeitaktivitäten für Kids und leitet Projekte, wie die Fahrradspendenaktion im vergangenen Jahr, bei der über 70 Räder zusammen kamen. Artur Wiebe, Pastor der Freien evangelischen Gemeinde MTK, leitet das "Team Fahrten" und erarbeitet zurzeit im Gespräch mit den vielen Partnern des AK einen "Leitbildentwurf". Hier soll festgeschrieben werden, welchen Grundsätzen die Helfer des AK folgen. Stephan Frisch betreut die Webseite, Amelie Steinhauer macht die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Die Kommunikation zwischen den Treffen und mit allen Mitgliedern laufe ausschließlich über E-Mail, so Marion Hein.

„Wir verlassen uns aufeinander“

Bis Ende 2015 war Mitbegründerin Barbara Tambour die hochengagierte Sprecherin des Arbeitskreises. Sie gab ihm das Gesicht. Als sie sich aus persönlichen und zeitlichen Gründen zurückziehen musste, stand die Frage nach einem Nachfolger an. Niemand habe Sprecher werden, allein im Vordergrund stehen wollen. "Viele Aufgaben, die Barbara Tambour allein erledigt hatte, wurden auf mehrere Personen aufgeteilt. Wir arbeiten als Team, verlassen uns auf die anderen und vertrauen uns. Es funktioniert sehr gut", sagt Marion Hein, die seit August 2015 im Orgateam dabei ist. Sie besucht regelmäßig Fortbildungen und fungiert als Multiplikator. „Inzwischen wird der Krifteler Arbeitskreis bei solchen Veranstaltungen als Vorzeige-Arbeitskreis betitelt“, hat sie festgestellt. Von anderen Arbeitskreisen kommen zunehmend Anfragen. Hier möchte sie den Kontakt vertiefen.

Marion Hein tut es gut, direkt vor der Haustür etwas für andere Menschen zu tun. "Und wir tun es nicht nur für die Flüchtlinge, sondern auch für die Krifteler Nachbarn", betont sie. Ein wichtiges Ziel sei es schließlich, den sozialen Frieden in Kriftel in Zukunft zu erhalten.